IWF drängt China zu Reform der Wirtschaft

31. Juli 2014, 06:32
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Schwachstellen haben bedrohliches Ausmaß angenommen

Peking - Der Internationale Währungsfonds (IWF) drängt China zu mehr Tempo bei der Umsetzung grundlegender wirtschaftlicher Reformen. "Rasche Reformen sind gut für China und gut für die Welt", lautete das Fazit in einem Länderbericht des IWF vom Donnerstag. Wenn das kurzzeitig etwas geringere Wachstumsraten mit sich bringe, werde das zwar auch die Weltwirtschaft spüren.

Auf längere Sicht aber zahle sich ein tiefgreifender Reformkurs in Form von mehr und vor allem nachhaltigeren Wachstum in der Volksrepublik aus. Allerdings: der IWF sieht aktuell bedrohliche Risiken. Einen wirtschaftliche Absturz, eine "harte Landung", hält er aber für unwahrscheinlich. Chinas Regierung habe genügend Mittel, um das abzuwenden, sagten die Fondsexperten.

"Zu sehr auf staatliche Ausgaben verlassen"

"Seit der Finanzkrise hat sich China zu sehr auf staatliche Ausgaben und Kredite verlassen", bemängelte der IWF. Das habe wachsende Verwundbarkeiten geschaffen. Der Fonds listete große Schwachstellen auf: explodierende Kreditvergaben, spekulative Übertreibungen am Immobiliensektor, wachsende Schulden bei Firmen und Regionalregierungen, ein ausufernder Bereich Schattenbanken, Einkommensunterschiede sowie Umweltschäden, die das Wachstum bedrohen. Das Ausmaß der Fehlentwicklungen sei inzwischen so groß, dass ihre Bekämpfung absolute Priorität haben müsse. Große staatliche Konjunkturprogramme sollten etwa nach Auffassung des Fonds nur noch aufgelegt werden, wenn das Wachstum deutlich unter die Zielmarken abzurutschen drohe.

Dass die noch relativ neue chinesische Führung nun hin zu einem dauerhafteren Wachstums- und Reformkonzept umsteuern will, begrüßt der Fonds. "Die angekündigte Reform-Agenda entspricht weithin früheren IWF-Ratschlägen", heißt es in dem Bericht.

Wachstumsschätzung zurückgenommen

Als Ergebnis seiner Ländermission hatte der Fonds kürzlich seine Wachstumsschätzung für China geringfügig auf 7,4 Prozent in diesem und 7,1 Prozent im nächsten Jahr zurückgenommen - nachdem die Wirtschaft des Landes in den vergangenen Jahren weitaus stärker zugelegt hatte. Die Teuerung wird laut IWF in naher Zukunft deutlich unterhalb von drei Prozent bleiben, während die Staatsverschuldung in diesem Jahr die Marke von 40 Prozent übertreffen werde.

Der IWF fordert China unter anderem auf, seinen Finanzsektor auf stabilere Säulen zu stellen, dabei Regulierung und Aufsicht zu stärken, die staatlichen Unternehmen grundlegend zu reformieren und mehr Wettbewerb in der Wirtschaft zuzulassen. Auch bei den Staatsfinanzen und im sozialen Sicherungssystem seien einschneidende Reformen nötig. (APA, 31.7.2014)

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