Land Burgenland verspricht nach schweren Unwettern Soforthilfe

31. Juli 2014, 14:24
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Mehrere hundert Feuerwehreinsätze - Neusiedl am See und Podersdorf am stärksten betroffen - 2.994 Blitzeinschläge im Burgenland am Mittwoch - Badeverbot an Neuer Donau in Wien

Eisenstadt /St. Pölten / Salzburg / Wien - Nach heftigen Gewittern, Blitzeinschlägen und langanhaltendem Starkregen mussten Mittwochabend in fast allen Bezirken des Burgenlands die Einsatzkräfte ausrücken, um überflutete Keller auszupumpen und Straßen zu befreien. Es stehe "quasi das ganze Burgenland unter Wasser", erklärte die Landessicherheitszentrale. Das Land versprach rasche Hilfe.

Auch andere Teile Österreichs waren von den Unwettern schwer betroffen. In Niederösterreich gab es beinahe 100 Einsätze. 55 Feuerwehren mit 650 Mann mussten ausrücken, berichtete Alexander Nittner vom Landeskommando in Tulln. In Salzburg und Tirol traten viele Bäche und einige Flüsse über die Ufer.

Vor allem der Norden betroffen

Die burgenländischen Feuerwehren hatten eine arbeitsreiche Nacht hinter sich. "Bis Donnerstagfrüh waren es 342 unwetterbedingte Einsätze", berichtete ein Sprecher der Landessicherheitszentrale. Nur der Bezirk Mattersburg blieb verschont.

Nirgends sonst in Österreich hat es so stark geregnet wie am Neusiedler See: In Podersdorf registrierte die ZAMG von Mittwoch 0.00 Uhr bis Donnerstag 9.30 Uhr 158 Liter Niederschlag pro Quadratmeter - das bedeutet Landesrekord. In Neusiedl waren es 106 Liter. Dort ist fast doppelt so viel Regen gefallen wie normal im ganzen Juli mit durchschnittlich 63 Litern. Der Hauptplatz stand zeitweise 50 Zentimeter unter Wasser", sagte der Bürgermeister Neusiedls, Kurt Lentsch.

"Rasche und unbürokratische Hilfe"

Landeshauptmann Hans Niessl und Finanzlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) haben den Burgenländern am Donnerstag "rasche und unbürokratische Hilfe" zugesagt. Beide seien übereingekommen, dass die im Budget mit 500.000 Euro dotierten Beihilfen für Unwetterkatastrophenschäden bei Bedarf aufgestockt werden, hieß es in einer Pressemitteilung.

"Die notwendigen Gelder werden zu Verfügung gestellt. Ich habe die Finanzabteilung bereits angewiesen, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen", erklärte Bieler. Um eine rasche Abwicklung der Hilfen seitens des Landes gewährleisten zu können, wird für diesen Bereich bei Bedarf kurzfristig auch mehr Personal zur Verfügung gestellt, so Niessl.

"Nur alle 100 Jahre"

In Podersdorf brannte eine Scheune nach einem Blitzschlag vollständig ab, der Schaden wurde auf rund 75.000 Euro geschätzt. Verletzt wurde niemand. Auch in den südlichen Bezirken Oberwart und Güssing sowie später im Bezirk Oberpullendorf mussten zahlreiche Feuerwehren ausrücken. "Überall standen Keller unter Wasser, Straßen mussten befreit werden", sagte der Sprecher der Landessicherheitszentrale.

"In Mörbisch im Burgenland sind innerhalb von nur zwölf Stunden 120 Liter Regen gefallen", sagte Thomas Rinderer von der Österreichischen Unwetterzentrale. "80 Liter davon ergossen sich dabei binnen zwei Stunden. So ein heftiges Ereignis kommt statistisch gesehen nur etwa alle 100 Jahre vor."

In Kooperation mit dem Blitzortungssystem Aldis hat die ZAMG die Zahl der Blitze von Wolken zu Boden erhoben. Demnach hat es am Mittwoch im Burgenland 2.994 Blitzeinschläge gegeben, Schwerpunkt war ebenfalls der Neusiedler-See-Raum. In Niederösterreich wurden 2.462 Einschläge registriert, 155 davon allein in Hollabrunn. Die Stadt lag damit an der Spitze der Österreich-Statistik. In der Steiermark gab es 335 Blitzeinschläge, in Wien 142, in Oberösterreich 5 und in Kärnten 3 - in Summe waren es 5.941. Zum Vergleich: Für ganz Österreich weist die Aldis-Statistik in diesem Jahr bis inklusive Mittwoch 67.534 Blitzeinschläge aus.

Mure auf Südbahnstrecke, Badeverbot in Wien

Auch in Niederösterreich haben Unwetter zwischen Mittwochnachmittag und der Nacht auf Donnerstag mehrere Bezirke getroffen. 55 Feuerwehren mit 650 Mann mussten ausrücken, berichtete Alexander Nittner vom Landeskommando in Tulln. Fast 100 Einsätze waren seinen Angaben zufolge zu absolvieren.

Heftige Niederschläge waren zunächst über dem Bezirk Neunkirchen, in der Folge über den Bezirken Bruck an der Leitha und Gänserndorf und schließlich in den Nachtstunden über dem Bezirk Hollabrunn niedergegangen. In Unternalb stürzte ein Keller ein und riss eine Fahrbahnhälfte der Hauptstraße mit sich.

Wegen des Abgangs zweier Muren war die Südbahnstrecke im Abschnitt Gloggnitz bis Payerbach-Reichenau vorübergehend gänzlich unpassierbar. Durch den Abgang der Muren war ein Personenzug an der Weiterfahrt gehindert worden. Die Garnitur konnte letztlich retour nach Payerbach fahren. Die ÖBB nahmen in der Folge die Räumarbeiten auf der Strecke vor, sie war am Donnerstag immerhin wieder eingleisig befahrbar. Für Nahverbindungen war ein Schienenersatzverkehr mit Autobussen eingerichtet, sagte ÖBB-Sprecher Christopher Seif am Nachmittag.

In Wien wurde wegen der heftigen Regenfälle Hochwasseralarm für die Donau ausgerufen. Die Wetterlage sei zwar im Begriff, sich zu beruhigen, dennoch seien die Pegelstände noch im Steigen begriffen, gab die Magistratsabteilung 45 (Wiener Gewässer) in einer Aussendung bekannt. Die Schwimmstege "Waluliso" und der Copa-Steg wurden bereits ausgedreht und sind ab Freitag nicht mehr passierbar. Durch das Eindringen von Donauwasser in die Neue Donau gilt ab Freitag auch Badeverbot auf der Neuen Donau.

Auch im Westen Unwetter und Hochwasser

Starker Regen machte auch Teilen Tirols und Salzburgs zu schaffen. Viele Flüsse wie die Salzach und die Windauer Ache führten Hochwasser. In Kufstein gingen von Mittwoch 0.00 Uhr bis Donnerstag 9.30 Uhr 87 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, was der Hälfte eines statistischen Julimittels entspricht. Im angrenzenden Salzburger Pinzgau wurden an der Messstelle in Lofer 85 Liter registriert.

Stark betroffen war der auch Bezirk Kitzbühel. Ein 25-Jähriger ist in der Nacht mit seinem Pkw auf der Walchseestraße (B172) in Kössen von der Fahrbahn abgekommen und in den zu diesem Zeitpunkt Hochwasser führenden Loferbach gestürzt. Wie die Polizei mitteilte, konnte sich der Mann selbstständig aus dem Fahrzeug befreien und ans Ufer retten. Eine Suche nach dem Fahrzeug blieb am Donnerstagvormittag vorerst ohne Erfolg. Der Mann wurde mit Verletzungen unbestimmten Grades in das Krankenhaus nach St. Johann eingeliefert.

Feuchte Vorgeschichte

Laut Polizei drohten auch die Brixentaler Ache beim Hopfgartner Wald überzugehen. Die Brixental Straße (B170) musste in diesem Bereich gesperrt werden. Unter anderem wurden auf der B170 die Bahnunterführung Hopfgarten und die Tunnelumfahrung Brixen überflutet. Die Feuerwehren mussten mit Pumpen anrücken. Zwischenzeitlich war auch der Bahnverkehr zwischen Wörgl und Kirchberg unterbrochen.

"Die Regenmengen sind für diese Regionen nicht sehr außergewöhnlich. Jedoch sind die Böden durch die feuchte Vorgeschichte oft schon gesättigt, zudem liegt die Schneefallgrenze sehr hoch auf 3.500 Meter, womit kein Niederschlag als Schnee gebunden wird", sagte Wetterexperte Rinderer.

Höherer Pegelstand als 2005

Im Bundesland Salzburg ist die Salzach im Oberpinzgau stellenweise über die Ufer getreten. Straßen, Gebäude und Wiesen wurden überschwemmt. In Neukirchen am Großvenediger drang das Wasser laut Feuerwehr in rund zehn Häuser ein, die Gerlos-Bundesstraße (B165) im Ortsteil Rosental musste gesperrt werden.

Wegen der hochwasserführenden Salzach ist die Bahnstrecke durch das Salzachtal von Zell am See im Pinzgau nach Schwarzach im Pongau am Donnerstag um 11.45 Uhr gesperrt worden. Die Maßnahme diene auch zur Vorbeugung gegen eine Verklausungsgefahr bei der Salzachbrücke kurz vor dem Bahnhof Bruck/Fusch im Pinzgau, informierten die ÖBB. "Wir rechnen mit einer Dauer der Sperre von sechs bis sieben Stunden, es hängt vom Wetter ab und wie sich die Pegelstände entwickeln. Sicherheit hat oberste Priorität", erklärte ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel.

Zwischen Zell am See und Schwarzach wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die internationalen EC-Züge 163/164 (von Zürich nach Graz und von Graz nach Zürich, Anm.) werden über Salzburg, Rosenheim und Kufstein umgeleitet.

Aufbau der Schutzanlagen in der Landeshauptstadt

In der Stadt Salzburg haben die Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehren gegen Mittag mit dem Aufbau der Hochwasser-Schutzanlagen entlang der Salzach begonnen. "Der Fluss hat derzeit einen Pegelstand von 7,5 Metern, dies ist der 'Auslösepunkt' für den Aufbau der Schutzanlagen. Die Pegelstände haben immer noch steigende Tendenz, die Salzach steigt auch schneller als noch am Morgen prognostiziert", teilte das Informationszentrum der Stadt mit.

In Mittersill lag der Pegelstand der Salzach zwar höher als beim verheerenden Hochwasser im Sommer 2005, die seither ausgebauten Hochwasserschutzmaßnahmen konnten eine Überschwemmung verhindern. "Der Hochwasserschutz in Mittersill funktioniert", sagte Bernhard Gratz, Stellvertreter der Bezirkshauptfrau von Zell am See.

Überschreiten der Hochwasserwarngrenzen

Im Laufe des Tages wurde der Regen in Teilen Tirols und in Salzburg schwächer, in der Osthälfte werden aber erneut teils kräftige Schauer und Gewitter erwartet. Angesichts der anhaltenden Regenfälle ist man auch in Oberösterreich aufmerksam: Der Hydrografische Dienst des Landes ging am Donnerstag von einem knappen Überschreiten der Hochwasserwarngrenzen aus. In Schärding sollte der Scheitel des Inns in der Nacht erreicht werden. In Ostermiething (Bezirk Braunau) musste die Ettenauer Landesstraße (L1007) wegen der hochwasserführenden Salzach bereits gesperrt werden.

Auch über das Wochenende ist mit lokalen Gewittern und Regenschauern zu rechnen, so die ZAMG in ihrer Prognose vom Donnerstag. Ab Dienstag könnte sich die Wetterlage dann beruhigen. Die Höchstwerte liegen in den kommenden fünf Tagen dabei um die 30 Grad Celsius. (APA/red, derStandard.at, 31.7.2014)


Link

unwetterzentrale.at


Anmerkung

Wir berichteten zuvor von 14.841 Blitzeinschlägen am Mittwoch im Burgenland. Die ZAMG hat ihre Angaben korrigiert, wir haben die korrekten Zahlen aktualisiert.

  • Die Folgen der Überschwemmungen in Raxendorf (Bezirk Melk).
    foto: apa/einsatzdoku.at

    Die Folgen der Überschwemmungen in Raxendorf (Bezirk Melk).

  • Verklausungen in Mittersill.
    foto: apa/expa/ jfk

    Verklausungen in Mittersill.

  • Die Krimmler Wasserfälle in Salzburg.
    foto: marcus haunold / marcushaunold.at

    Die Krimmler Wasserfälle in Salzburg.

  • Hochwasser in Neusiedl am See.
    foto: apa/bfkdo

    Hochwasser in Neusiedl am See.

  • Die niederösterreichische Feuerwehr im Einsatz im Raum Schlöglmühl.
    foto: apa/einsatzdoku.at

    Die niederösterreichische Feuerwehr im Einsatz im Raum Schlöglmühl.

  • Hochwasser auch in Mittersill, Salzburg.
    foto: apa/wasserrettung lv sbg

    Hochwasser auch in Mittersill, Salzburg.

  • Am Mittwoch kam es zu einem Hangrutsch auf der Südbahnstrecke in Gloggnitz, Niederösterreich.
    foto: apa/einsatzdoku.at

    Am Mittwoch kam es zu einem Hangrutsch auf der Südbahnstrecke in Gloggnitz, Niederösterreich.

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