Flüchtlingsunterbringung: Zeit für Nächstenliebe

Kommentar30. Juli 2014, 18:25
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Die Kirche als drittgrößter Immobilieneigentümer muss in Asyl-Spitzenzeiten Herberge geben

Baufällige Kasernen ohne Wasser und Strom, Zeltstädte wie in Katastrophengebieten - Menschenwürde wird bei den jüngsten Ideen zur Unterbringung von Asylwerbern zur Nebensache. Der Platz für Menschen, die Schutz in einer Notlage suchen, ist in Österreich ganz offensichtlich Mangelware. Ein Elend für Betroffene, eine Schande für den Staat.

Das Versagen der Politik wirft auch seine Schatten auf die Kirche. Bei aller Wertschätzung für die Arbeit von Caritas und Diakonie: Warum gelingt es etwa der katholischen Kirche als drittgrößtem Immobilieneigentümer im Lande nicht, in Asyl-Spitzenzeiten die Hand gegen den Quoten-Hype zu erheben und die eigenen Türen weit zu öffnen? Viele Pfarrhöfe sind verwaist, die Priesterseminare angesichts der Nachwuchsproblematik alles andere als ausgebucht, und die Klöster sind meist so weitläufig, dass die frommen Mitbrüder Gefahr laufen, sich in den heiligen Hallen nur mehr zufällig einmal pro Woche zu treffen.

Wer sich entstehungsgeschichtlich die Nächstenliebe auf die Fahnen heftet, muss in schwierigen Zeiten Taten setzen. An runden Tischen gezögert und gezaudert wird vonseiten der Politik genug. Da braucht es nicht auch noch die Kirche, die Möglichkeiten vorsichtig prüfen lässt und Verständnis und Mitgefühl heuchelt. Die Kirche muss Herberge geben - selbst, wenn man dann in den Bischofshöfen ein wenig näher zusammenrücken muss. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 31.7.2014)

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