Schaden im Schuldenstreit könnte enorm sein

30. Juli 2014, 18:14
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Buenos Aires / New York - Im Streit um eine drohende Staatspleite Argentiniens schwirren viele Zahlen herum. Konkret streitet das Land vor einem New Yorker Gericht mit zwei Hedgefonds von Elliott Management, der Gesellschaft des US-Milliardärs Paul Singer. Das Land muss laut einem US-Urteil 1,6 Milliarden Dollar zahlen.

Weitere Klagen der "Verweigerer", also jener Gläubiger, die bei den Umschuldungen 2005 und 2010 ihre Anleihen nicht gegen neue Papiere zu einem viel geringeren Wert getauscht haben, summieren die möglichen Kosten einer rechtlichen Niederlage auf 15 Milliarden Dollar.

Höhere Zahlungen

Die argentinische Regierung fürchtet aber für den Fall, dass sie sich auf die Forderungen der Fonds einlässt, weit höhere Zahlungen. Denn es sind auch noch rund 48 Milliarden Dollar an neuen Anleihen ausständig. Sie sind im Besitz von Investoren, die bei den Umschuldungen der vergangenen acht Jahre mitgemacht haben und auf einen Teil ihres Vermögens verzichtet haben. Sie könnten laut einer Rechtsklausel verlangen, dass sie genauso behandelt werden wie die "Verweigerer".

Erhalten also diese ihre Forderung zu 100 Prozent, könnten auch die übrigen Gläubiger mehr fordern. Die Kosten für Argentinien könnten sich so auf 120 Milliarden Dollar aufblähen. Dann würde es sogar für Argentinien eng werden. Das Land verfügt aktuell gerade einmal über 29 Mrd. Dollar an Devisenreserven.

"Argentinien hat bezahlt"

Die Regierung steht auf dem Standpunkt: "Argentinien wird nicht Pleite gehen, weil Argentinien bezahlt hat." So formuliert es Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner. Tatsächlich hat das Land bereits mehrere Tranchen an Zinszahlungen bei US-Banken deponiert. Diese dürfen die Gelder aber nicht überweisen, weil sie damit ein Urteil des US-Richters Thomas Griesa verletzen würden.

Laut Insidern könnten sich die Verhandler auf einen Kompromiss und einen Aufschub einigen. Denn wenn Argentinien erst Anfang 2015 die Milliarden an die Fonds zahlt, könnten die übrigen Anleger rechtlich nicht mehr jene Summen einfordern, die die Kosten für Argentinien auf mehr als 100 Milliarden Dollar schnellen lassen könnten. (sulu, DER STANDARD, 31.7.2014)

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