Unsere Milchstraße ist offenbar leichter als gedacht

30. Juli 2014, 18:41
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Astronomen bestimmten die Masse unserer Heimatgalaxie mit neuer Methode: Sie dürfte nur etwa halb so massiv sein wie bisher gedacht

London - Britische Astronomen haben die Milchstraße mit einer neuen Methode "gewogen" und festgestellt, dass sie offenbar bedeutend leichter ist als frühere Berechnungen erahnen ließen. Bislang ging man davon aus, dass unsere Heimatgalaxie mindestens so massiv ist wie die benachbarte Andromeda-Galaxie. Tatsächlich aber scheint die Milchstraße trotz vergleichbarer Ausdehnung nur etwa halb so viel Masse zu besitzen wie ihre Nachbarin.

Die Forscher um Matthew Walker von der Carnegie Mellon University erklären die Unterschiede zu früheren Messungen damit, dass die Milchstraße vermutlich deutlich weniger Dunkle Materie aufweist als die Andromeda-Galaxie. Das Konzept der Dunklen Materie geht auf den US-Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky zurück, der vor gut 80 Jahren feststellte, dass die von ihm beobachteten Galaxien eigentlich über zu wenig Materie verfügten, um von der Schwerkraft zusammengehalten zu werden. Seitdem fahndet die Wissenschaft nach dieser unsichtbaren Materie, deren Natur und Zusammensetzung noch unbekannt ist.

Masse in den Randbereichen der Lokalen Gruppe

Unsere Milchstraße und die Andromeda-Galaxie sind die beiden größten Sterneninseln in einer Ansammlung von Galaxien, die von den Astronomen "Lokale Gruppe" genannt wird. Bei früheren Forschungen war es nur gelungen, die Gesamtmasse in unmittelbarerer Umgebung der beiden Spiralgalaxien zu bestimmen. Der in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" erschienenen Studie zufolge konnten die britischen Forscher nun auch die Masseverteilung und damit auch die Menge an Dunkler Materie in den äußeren Bereichen der Lokalen Gruppe abschätzen und daraus auf die Masse der Milchstraße schließen.

Nach Auffassung der Wissenschafter könnten die neuen Erkenntnisse dabei helfen, die Strukturen in den äußeren Regionen von Spiralgalaxien besser zu verstehen. (APA/red, derStandard.at, 30.07.2014)


Abstract
Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: A dynamical model of the local cosmic expansion

  • Mit einer neuen Messmethode haben Astronomen festgestellt, dass die Milchstraße (links) über nur etwa die Hälfte der Masse der benachbarten Andromeda-Galaxie (rechts) verfügt.
    foto/illu.: nasa/jpl-caltech / esa/hubble

    Mit einer neuen Messmethode haben Astronomen festgestellt, dass die Milchstraße (links) über nur etwa die Hälfte der Masse der benachbarten Andromeda-Galaxie (rechts) verfügt.

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