US-Wirtschaft lässt Winter hinter sich

30. Juli 2014, 21:11
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Wachstum im Frühjahr von vier Prozent - Experten hatten nur ein Plus von drei Prozent erwartet - Zentralbank führt Konjunkturhilfen zurück

Washington - Die US-Konjunktur hat im zweiten Quartal wieder Betriebstemperatur erreicht. "Nach einem wirklich schwachen ersten Quartal hat die Wirtschaft in den vergangenen drei Monaten eindeutig an Fahrt zugelegt", sagt Paul Dales, US-Ökonom beim unabhängigen Analysehaus Capital Economics. Ein Vierer steht nämlich wieder vor dem Komma. Die US-Wirtschaft ist mit 4,0 Prozent so schnell gewachsen wie seit dem dritten Quartal 2013 nicht mehr, zeigen die jüngsten Daten des Bureau of Economic Analysis. Mehr noch, die Statistiker haben auch die vergangenen Quartale korrigiert und dabei ein höheres Wachstum festgestellt als zunächst angenommen.

Gute Zahlen

So war der Wirtschaftseinbruch im ersten Quartal mit 2,1 Prozent weniger scharf als zunächst gedacht (-2,9 Prozent). "Die guten Zahlen zum zweiten Quartal zeigen aber, dass der Einbruch in den Wintermonaten vor allem eine Folge der extremen Wetterbedingungen war", sagt etwa Jörg Angelé, US-Analyst bei der Raiffeisenbank International. Dieser Schock sei nun verdaut. Bei den US-Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt gilt es zu beachten, dass die Zahlen annualisiert sind. Das Wachstum in einem Quartal wird daher aufs Jahr hochgerechnet. Tatsächlich ist die US-Wirtschaft mit rund einem Prozent von April bis Juni gewachsen.

Dabei legte das Wachstum laut Ökonom Dales auch auf "breiter Basis" zu: Der private Konsum erholte sich dank der guten Beschäftigungssituation um 2,5 Prozent, aber auch die Investitionen legten zu, und die staatliche Sparpolitik drückte nicht mehr so auf die Wirtschaft wie zuletzt. "Es waren insgesamt positivere Zahlen als von vielen erwartet", fasst Dales zusammen. Im Schnitt hatten Volkswirte, die von Agenturen wie Bloomberg befragt wurden, nur mit drei Prozent Wachstum im zweiten Quartal gerechnet.

Immobilienmarkt

Einer der Treiber ist auch ein wiedererstarkter Immobilienmarkt. Die Investitionen in den Wohnbau sind um 7,5 Prozent im zweiten Quartal gestiegen (wieder aufs Jahr hochgerechnet). Laut dem Immobilienindex Case/Shiller legten die Immobilienpreise in den 20 größten Städten in den zwölf Monaten bis Mai um 9,3 Prozent zu. Erst vergangene Woche hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für die USA drastisch gestutzt, auf nur noch 1,7 Prozent. Laut Dales könnten die IWF-Ökonomen dabei vorschnell gewesen sein. Er rechnet nach den jüngsten Daten eher mit einem Wachstum von über zwei Prozent 2014.

Fed reduziert Konjunkturhilfe

Das höhere Wachstum führt nun zu einer weiteren Straffung der US-Geldpolitik. Ihre Anfang des Jahres begonnene Abschmelzung der Konjunkturhilfen setzt die Zentralbank unverändert fort. Wann die stärkeren Wirtschaftsdaten aber letztlich auch zur Erhöhung der Leitzinsen führen, ließ die Fed am Mittwoch weiter völlig offen.

Der Erwerb von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren wird bereits zum sechsten Mal in diesem Jahr um 10 Milliarden Dollar (7,5 Mrd. Euro) pro Monat zurückgefahren. Damit sinken die Ankäufe von ursprünglich 85 auf künftig 25 Milliarden Dollar monatlich. Experten hatten diesen Schritt erwartet.

Hält die Fed am bisherigen Tempo bei dem sogenannten Tapering (Verringerung) fest, wird die Konjunkturmaßnahme im Oktober beendet sein. Eine "erhebliche" Zeit danach könnte auch der Leitzins angehoben werden, heißt es in der Mitteilung der Fed. Er liegt seit Ende 2008 auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent.

Trotz des größeren Optimismus zeigen sich die Notenbanker weiter unzufrieden mit dem Jobmarkt. Eine Reihe von Daten zeige, dass viel zu wenige Bürger einen Arbeitsplatz hätten. Die Konsumausgaben stiegen nur moderat, der Immobilienmarkt erhole sich langsam und auch die Einsparungen in den öffentlichen Haushalten seien ein Hindernis für die Konjunktur, mahnte die Fed. Es bestünden noch Risiken für die Wirtschaft. (sulu, APA, DER STANDARD, 31.7.2014)

  • Der wiederbelebte Immobilienmarkt hat im zweiten Quartal für einen  Konjunkturimpuls in den USA gesorgt. Der private Konsum legte insgesamt  kräftig um 2,5 Prozent zu.
    foto:reuters/downing

    Der wiederbelebte Immobilienmarkt hat im zweiten Quartal für einen Konjunkturimpuls in den USA gesorgt. Der private Konsum legte insgesamt kräftig um 2,5 Prozent zu.

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