Brot backen statt Regale einschlichten

Porträt31. Juli 2014, 08:23
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Bei der Bäckerei Danecker schließt nur einer von fünf Lehrlingen ab. Sabine Kogler ist eine von ihnen

Amstetten - Sabine Kogler arbeitet am liebsten in der Nacht. Da kann sich die Bäckerin ihren Broten und den Handsemmeln widmen. "Das sind größere Portionen, die Weckerln, die wir untertags machen, sind nicht so interessant."

Die 18-Jährige sitzt um halb zehn Uhr am Vormittag im Gastraum der Bäckerei und Konditorei Danecker in Amstetten. Der Verkaufsraum ist im Vergleich zu jenen der Ketten, wie sie sich in Wien aneinanderreihen, eher klein: Es gibt zwei Glasvitrinen. Die Teigspuren auf Koglers Arbeitskleidung verraten, dass sich ihr Arbeitstag bereits dem Ende zuneigt. Kogler ist im vierten und letzten Lehrjahr für Bäckerei und Konditorei. Die junge Frau trägt eine kurze weiß-schwarz karierte Hose, ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Kornspitz" und über den dunkelrot gefärbten Haaren ein gelbes Kapperl, auf dem "Original Bäcker" geschrieben steht. Nur eines der Zeichen dafür, dass sie stolz auf ihren Beruf ist.

Üblicherweise startet Koglers Tag um vier Uhr früh, dann arbeitet sie bis 12 Uhr mittags. Manchmal, wenn sie für den Gesellen einspringen muss, arbeitet sie in der Nacht. Zu ihren Arbeitszeiten hat Kogler einen pragmatischen Zugang. "Wir müssen in der Nacht Brot backen, unsere Filialen brauchen es schließlich in der Früh", erklärt sie. "Ich hab mich schon so daran gewöhnt, dass ich nur vier bis fünf Stunden am Stück schlafen kann." Nach ihrem Dienst schläft sie noch einmal zwei Stunden.

Nur eine von fünf schließt Lehre ab

Nicht alle können mit diesen Arbeitszeiten leben. Nur einer von fünf Lehrlingen schließt die Ausbildung bei ihm ab, erzählt der Chef der Bäckerei, Richard Palmetzhuber. Vielen ist der Beruf zu anstrengend. "Der Job ist hart, man muss schwere Bleche heben, früh aufstehen und sechs Tage in der Woche arbeiten", sagt Palmetzhuber. Von Sabine Kogler spricht der Chef nur in den höchsten Tönen. Sie hat den niederösterreichischen Lehrlingswettbewerb der Bäcker gewonnen. "Sie kapiert gleich alles, wie ein Geselle." Es sei schwierig, solche Lehrlinge zu finden. Palmetzhuber will sie jedenfalls übernehmen. "Wir wachsen, da brauche ich Leute wie sie."

Für eine Lehre hat sich Kogler entschieden, weil sie gleich nach der Schule selbst Geld verdienen wollte. Auf den Beruf der Bäckerin ist sie durch Zufall gestoßen, eigentlich wollte sie Verkäuferin werden. Beim Schnuppern in einer Merkur-Filiale hat ihr Chef sie während des Einschlichtens der Regale gefragt, ob sie in der Konditorei mitarbeiten will. "Die Arbeit dort hat mich gleich fasziniert", erzählt Kogler, und sie lächelt, als sie sich an ihre ersten Erfahrungen erinnert. "Wir haben Pyramiden gebacken, und ich hab etwas über die Zusammensetzung erfahren." Das Werken mit den Teig an den Händen hat ihr mehr Spaß gemacht, als Regale einzuschlichten.

"Als ich das erste Mal Geld bekommen habe, habe ich schon den Hintergedanken gehabt, gleich alles auszugeben", sagt Kogler. Sie hat sich für das Sparen entschieden, um sich ein Auto kaufen zu können. Derzeit wohnt sie zu Hause, wenn sie die Gesellenprüfung geschafft hat, will sie ausziehen und "schauen, wie es so ist", eine eigene Wohnung zu haben. (Lisa Aigner, DER STANDARD, 31.7.2014)

Hintergrund zur Lehre: Kaum Vielfalt bei der Jobwahl

  • Sabine Kogler hat den niederösterreichischen Lehrlingswettbewerb für Bäcker gewonnen.
    foto: derstandard.at/aigner

    Sabine Kogler hat den niederösterreichischen Lehrlingswettbewerb für Bäcker gewonnen.

  • Der Chef der Bäckerei, Richard Palmetzhofer, sagt über Kogler: "Sie begreift schnell, wie ein Geselle."
    foto: derstandard.at/aigner

    Der Chef der Bäckerei, Richard Palmetzhofer, sagt über Kogler: "Sie begreift schnell, wie ein Geselle."

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