Deutsche Presse zur "Pizzeria Anarchia"-Räumung

30. Juli 2014, 14:59
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"Polizei hat in ihrer Einäugigkeit fulminanten Schuss nach hinten geliefert" - "Von gewaltbereiter Unterstützung aus Deutschland keine Spur" - "Paradebeispiel für die Rolle des Staates in einer zunehmend postdemokratischen Gesellschaft"

Auch in Deutschland beobachteten Medien die Vorgänge rund um den Großeinsatz der Polizei am Montag genau. Eine Auswahl an Pressestimmen.

taz.de
1.700 Polizisten gegen eine Pizzeria & Panzerwagen und Buttersäure & Kasperletheater in Wien

"Einem Shitstorm der analogen Art sahen sich Elitepolizisten der Einheit WEGA ausgesetzt, als sie die besetzte Pizzeria Anarchia in Wien zu räumen begannen."

"Die Räumung glich einem Häuserkampf im Kriegsgebiet."

"Die polizeiliche Assistenzleistung entpuppte sich als Euphemismus für Ausnahmezustand. Einen Tag lang verwandelte die Polizei ein ganzes Stadtviertel in ein Sperrgebiet. Die Punks wurden sie vom Mieter- zum Spekulantenschreck. Die Polizei – immer weniger neutrale Ordnungshüterin – hat in ihrer Einäugigkeit einen fulminanten Schuss nach hinten geliefert. Denn mit ihrer überzogenen Inszenierung haben sie eine riesige Bühne geschaffen, auf der die Rollen sehr eindeutig verteilt waren: Jetzt wissen alle, wer das böse Spekulantenkrokodil, wer der tollpatschige Gehilfe und wer die Retter der Oma sind."

Frankfurter Rundschau
1700 Polizisten räumen "Pizzeria Anarchia"

"Die Polizei war davon ausgegangen, dass die Wiener Aktivisten Unterstützung aus Deutschland bekommen könnten, etwa aus der Hamburger Hausbesetzer-Szene. Bis zu dreihundert Menschen hätten sich im Haus verschanzt, hieß es noch zu Beginn des Einsatzes. Von gewaltbereiter Unterstützung aus Deutschland keine Spur. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass sich unter den den Dutzenden Demonstranten, die sich vor den Polizeiabsperrungen versammelt und mit den Besetzern solidarisiert hatten, der eine oder andere Deutsche war. Von den befürchteten Gewaltexzessen war bei diesen Protesten allerdings nichts zu bemerken."

Freitag
Widerstand? Wird nicht geduldet!

"Die BesetzerInnern bewiesen mit ihrem Vorgehen eine ordentliche Portion Galgenhumor. Die Polizei präsentierte sich irritiert und überfordert, konnte nicht einmal genaue Zahlen nennen, wieviele Beamte tatsächlich zum Einsatz kamen. Mit Wasserwerfern spritzte die österreichische "Polizia Anarchia" auf Punk-Pisse und Punk-Scheisse."

Neues Deutschland
Großaufgebot der Polizei räumt besetztes Haus

"Das Aufgebot der Polizei fiel martialisch aus. Die Geschichte der Mühlfeldgasse 12 gäbe auch in finanzieller Hinsicht ein Paradebeispiel für die Rolle des Staates in einer zunehmend postdemokratischen Gesellschaft ab."

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