Horchposten Königswarte: Österreichs Ohr nach Osten

30. Juli 2014, 10:14
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Umfangreiche Abhörung von Satellitenkommunikation - großes Datenzentrum im Untergrund

Im Niederösterreich, am Rande der kleinen Karpaten auf rund 340 Meter über dem adriatischen Meeresspiegel, steht eine Aussichtswarte. Unweit davon befindet sich ein Gebäudekomplex, gespickt mit Antennen verschiedenen Formats. Es handelt sich um die Abhörstation Königswarte, das vom Bundesheer betriebene, österreichische Ohr in Richtung Osten.

Knapp 6.200 Quadratmeter misst das Grundstück, doch die darauf ersichtlichen Bauwerke sind nicht alles. Im Untergrund, berichtet FM4, befindet sich ein Datenzentrum.

Zahlreiche Satelliten im Visier

Zwei der Antennen dienen als Datenlinks. Einer davon dient gemäß seiner Ausrichtung zur Kommunikation mit einem anderen Bundesheer-Standort, der sich nahe Laa an der Thaya befindet. Die anderen Antennen – ihr Durchmesser dürfte bei bis zu zehn Metern liegen – fangen die Kommunikation von Satelliten weit östlich von Österreich ein, bis auf Höhe des Äquators.

Anzunehmende Abhörziele sind Türksat, Thuraya-2, Eutelsat und möglicherweise auch Azer-Sat und Xahsat, die ein Versorgungsgebiet abdecken, das sich teilweise bis nach Zentralasien, Indien und südliche Teile Afrikas erstreckt. Großteils transportieren die Satelliten TV-Signale, immer öfter werden über sie aber auch Datendienste abgewickelt.

Datenzentrum

Das Datenzentrum im Untergrund des Horchposten Königswarte dürfte primär der Verarbeitung der einkommenden Datenflut dienen. Einen Hinweis auf seine Existenz geben mehrere Eingänge – darunter eine Einfahrt – sowie strahlungsabweisende Fassadenfarbe an einem der Gebäude.

Während auf der Oberfläche nur einige hundert Quadratmeter offiziell verbaut sind, soll das Rechenzentrum im Untergrund wesentlich mehr Platz beanspruchen. Geschätzt werden seine Dimensionen auf etwa 2.000 Quadratmeter, also etwa ein Drittel des gesamten Grundstücks.

Tier-B

Von mehreren Bundesheer-Horchstationen in Österreich dürfte die Königswarte die am besten und modernsten ausgestattete sein. Es ist anzunehmen, dass sie ein Mitgrund dafür ist, warum Österreich als privilegierter Tier-B-Partner der NSA geführt wird.

Eine Einstufung, die daneben nur NATO-Partner erhalten haben. Ein Teil der Gebäudestruktur soll bereits in Form von Bunkeranlagen vor 100 Jahren entstanden sein, im Kalten Krieg soll der Standort schließlich zu einem Lauschposten ausgebaut worden sein. (red, derStandard.at, 30.07.2014)

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    foto: nomen nescio / cc by-sa 2.0 at
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