Rudern? Nur zur Not!

1. August 2014, 07:26
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Aus Oberösterreich kommen Motor- und Elektroboote, denen man auch in St. Tropez und Miami hinterherstaunt. Neuester Streich von Frauscher ist die Mirage 747

Klar gibt es keine schönere Art der Fortbewegung, als sich in einem Segelboot vom Wind übers Wasser ziehen und schieben zu lassen. Aber auch das himmlische Kind bockt zuweilen, und in diesem Falle kann man schon ein Auge zudrücken, vielleicht sogar zwei, wenn es sich um einen der wohlgeformten Pfitschipfeile aus dem Hause Frauscher handelt.

Daycruiser vom Traunsee

Bei Motorbootlegenden dachte man lange nur an Namen wie Boesch oder Riva, an Brigitte Bardot und Gunter Sachs, wie sie zwecks Mittagshäppchens in St. Tropez anlegen. Doch ausgerechnet aus der Ecke des Traunsees stammen für Tagesausflüge konzipierte Motorboote, sogenannte Daycruiser, die es mit weit maritimeren Werften aufnehmen können.

Frisch vom Stapel lief vor kurzem die 747 Mirage, die im September in Cannes und dann beim Salone Nautico in Genua präsentiert werden wird. Das Design, das auch beim Casting für einen 007-Streifen locker mithalten kann, stammt vom renommierten Salzburger Büro Kiska und Thomas Gerzer. Für die Hydrodynamik zeichnet Harry Miesbauer verantwortlich. Er macht es möglich, dass der 7, 47 Meter lange Flitzer mit bis zu 430 PS wie ein fliegender Fisch über das Wasser zischt. Apropos: In einer CSI Miami- Folge hatte ein Frauscher-Boot bereits einen Auftritt.

60 Knoten Höchstgeschwindigkeit

In der Werft freut man sich diesbezüglich besonders über die dazugehörige Textzeile eines Cops, die lautete: "He's leaving on a Frauscher 757 ." Und noch einmal apropos: Die Höchstgeschwindigkeit der neuen Mirage 747 liegt bei 60 Knoten, das sind umgerechnet rund 100 km/h, was einem auf dem Wasser schneller einfährt als auf jeder Straße. Man will ja keine Spaßbremse sein, aber Hand aufs Herz! Wer braucht das, noch dazu, wo zumindest auf den meisten österreichischen Seen ein Geschwindigkeitslimit von 50 km/h vorgegeben ist. "Da dürfte auch kein einziger Porsche mehr verkauft werden", sagt Stefan Frauscher knapp. Er leitet mit Bruder Michael und Cousine Andrea das vor 85 Jahren gegründete Unternehmen mit 40 Mitarbeitern.

Segelboote für Olympiasieger

Schon sein Großvater Engelbert konstruierte Boote, darunter das Segelboot O-Jolle für einen Olympiasieger. Die baute der Großvater allerdings noch in Wien, an der Alten Donau. Erst nach dem Krieg ließ sich er sich am Traunsee nieder.

Gefertigt werden um die 80 Boote pro Jahr, dies geschieht seit zwei Jahren in Ohlsdorf, da der Platz in der ursprünglichen Werft im nahen Gmunden zu knapp wurde. "Ein italienischer Händler sagte einmal: 'Dort oben bei euch kauft man Speck und Ski, aber doch keine Boote'", erzählt Frauscher.

Im Angebot gibt es den Binnensee-Segelbootklassiker namens H-Boot, sechs Motor- und fünf elektrisch betriebene Boote. Letztere kommen nicht minder schnittig daher, auch wenn sie nicht so schön grummeln wie ihre Benzinbrüder. 40 Prozent des Umsatzes werden durch Elektroboote, 55 durch Motorboote und fünf Prozent über Segelboote erzielt. Einen 2012 eröffneten Vertriebsstandort auf Mallorca gibt es mittlerweile auch. Dieser ist, geht es nach Stefan Frauscher, neben dem modernen Design maßgeblich für den Erfolg der Werft verantwortlich.

Image der Motorboote

Wäre da noch die Sache mit dem Image von Motorbootfahrern, zum Beispiel bei Seglern, die auf mastlose, aber übermotorisierte Fortbewegungsmittel in der Regel hochnäsig herabschauen. Stefan Frauscher, wie schon sein Vater Segelweltmeister in der internationalen H-Boot-Klasse, sieht das entspannt. "Segler mögen die Formen unsere Boote, und wenn man sich als Motorbootfahrer zu benehmen weiß, gibt es keinen Argwohn." Abgesehen davon dürfte, wie eingangs erwähnt, bei Flaute, der Blick des Seglers eher ein neidischer sein.

Für größere Imageprobleme dürften da schon ökologische Fragestellungen herhalten. Warum werden überhaupt noch Motorboote gebaut, wenn diesen, zumindest optisch, die elektrisch betriebenen Pendants um nichts nachstehen? "Wir waren auf diesem Gebiet immer Vorreiter, wir haben weltweit das erste Hybridboot mit Steyr Motors entwickelt. Das Problem ist eines der Reichweite, die bei Elektrobooten mit circa 60 Kilometern limitiert ist.

Auf größeren Seen bzw. am Meer führt an diesel- und benzinbetriebenen Booten einstweilen noch kein Weg vorbei, diesbezüglich arbeiten wir vor allem an einer Reduktion des Verbrauchs." "Einfach formuliert", so erklärt Frauscher weiter, "würde beim jetzigen Stand der technischen Dinge eine Batterie, die die Performance und die Reichweite eines vollen Tanks gewährleisten könnte, die Umwelt stärker belasten als der Verbrennungsmotor." Außerdem wäre da noch die Sache mit dem Grummeln. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 1.8.2014)

  • Wie ein fliegender Fisch zischt die nagelneue 747 Mirage aus dem Hause Frauscher übers Wasser. Für ein Boot der Werft muss man zwischen 40.000 und 400.000 Euro hinblättern.
    foto: frauscher bootswerft

    Wie ein fliegender Fisch zischt die nagelneue 747 Mirage aus dem Hause Frauscher übers Wasser. Für ein Boot der Werft muss man zwischen 40.000 und 400.000 Euro hinblättern.

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