"Zu früh" für Allianz bei Fiat

29. Juli 2014, 17:39
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Autoprofessor sieht Zeit für Übernahme noch nicht für gekommen

Sechs Millionen Fahrzeuge will Fiat-Chrysler-Chef Segio Marchionne im Jahr 2018 produzieren. Wie er dieses Ziel erreichen will, blieb bis dato mehr als ungewiss. Autoexperte Giuseppe Berta ist der Ansicht, dass Fiat Chrysler dieses Ziel ohne Partner nicht erreichen kann. "Für eine Übernahme oder Partnerschaft ist es aber noch zu früh. Vorerst muss Fiat Chrysler die Fusion von der Hauptversammlung absegnen lassen.

Erst nach dem im Oktober geplanten Börsengang in New York ist eine Bewertung des Konzerns möglich", sagte der Professor von der Mailänder Bocconi-Universität. Erst 2015 werde Bewegung in die Autobranche kommen.

Auge auf die USA

Ungeachtet dessen wird in Medien diskutiert, ob VW oder doch die französische PSA geeignete Partner wären. "Volkswagen ist primär am US-Markt interessiert, wo Chrysler 90 Prozent seiner Fahrzeuge verkauft. Ich glaube, dass eine Übernahme Fiat-Chrysler für den deutschen Autokonzern zu aufwändig ist." Die sowohl von Turin wie auch von den Franzosen dementierte Partnerschaft Fiat/PSA sei insofern unglaubwürdig, als PSA die Krise noch nicht überwunden hat. PSA sei als Partner insofern sexy, als Dongfeng aus China bei PSA an Bord ist (14 Prozent). Und Fiat Chrysler hat China bislang vernachlässigt.

Die großen Allianzen am Automarkt lassen auf sich warten, also fährt Fiat eine Strategie der "kleinen Allianzen". Nach einer Kooperation mit Suzuki bei Motoren, einer von Alfa Spider mit Mazda und Fiat-Peugeot bei leichten Nutzfahrzeugen kündigten Fiat und Renault kürzlich den Bau eines Transporters an. Die "kleinen" Partnerschaften haben nichts mit einer großen Allianz zu tun, sondern einzig den Zweck, die Kapazitäten in den Produktionswerken besser auszulasten.

Dies ist in der gesamten Pkw-Branche ein "Muss". Er rechne in Zukunft mit weiteren Partnerschaften in Teilsegmenten, sagte der Professore zum Standard. Marchionne kündigte kürzlich auch eine Modellrationalisierung an. Dies wurde als "Schritt zurück" zum ehrgeizigen Investitionsplan für Alfa Romeo (fünf Mrd. Euro bis 2018) gedeutet: Doch Berta sieht dies anders. "Die Rationalisierung betrifft einzig Maserati und nicht Alfa." (tkb, DER STANDARD, 30.7.2014)

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