Drei Milliarden Euro sollen Espírito Santo retten

29. Juli 2014, 17:22
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Banken-Tsunamiwarnung am Tejo

Lissabon/Granada - Auf eine Hiobsbotschaft folgt die nächste bei Portugals Banco Espírito Santo (BES): Drei Milliarden Euro Halbjahresverlust stehen laut einem Bericht der renommierten Wochenzeitung Expresso in Rede. Ein Rekord, das 15-Fache des Prognostizierten und zugleich eine Summe, die von der BES-Leitung garantierten Finanzpolster von 2,1 Mrd. Euro deutlich überschreitet. Im Lissabonner Leitindex PSI-20 sackten die BES-Kurse zeitweise um knapp zehn Prozent auf 0,39 Euro.

Erst heute, Mittwoch, wird BES nach mehrmaligem Aufschub offizielle Semesterzahlen vorlegen. Portugals Nationalbank beharrt weiterhin darauf, dass "BES solvent" sei. Doch wären "im Grenzfall" auch Staatsgelder parat, betonte Notenbankchef Carlos Costa in Bezug auf "möglicherweise notwendige Kapitalerhöhungen" für BES "im Rahmen der Rettungsmechanismen". Zugleich beruhigte er Kunden, deren "Spareinlagen sicher seien". Nach der Banco Português de Negócios (BPN; rund acht Mrd. Euro) - und Anlass für die Eurorettung um 78 Mrd. Euro - könnte eine weitere Bankenrettung unmittelbar bevorstehen - sofern nicht noch eine private Lösung erzielt werde.

Unregelmäßigkeiten

Sowohl Nationalbank als auch KPMG-Bilanzprüfer orteten zuletzt weitere Unregelmäßigkeiten. Exchef Ricardo Espírito Santo Silva Salgado war in der Vorwoche bereits einmal festgenommen worden. Gegen drei Millionen Euro Kaution ließ man ihn, der die BES zwei Dekaden lang leitete, wieder frei. Salgado gab an, mit der Justiz kooperieren zu wollen.

Die BES-Muttergesellschaft ESFG (Espírito Santo Financial Group) und zwei Töchter (BES International und Rioforte, zweite mit Sitz in Luxemburg) suchten um Gläubigerschutz an. Was die Luxemburger Justiz akzeptierte.

An einem weiteren Schauplatz des international weitverstrickten BES-Netzwerks wirft die angolanische Regierung bereits einen Rettungsanker für die hiesige Tochter BES-Angola (BESA) aus. Drei Milliarden Euro Finanzspritze mit dem Ziel, Zahlungsausfälle zu verhindern. BESA gehört zu 55 Prozent BES, die jedoch fortan als Gegenleistung als Minderheitsaktionär fungieren wird, berichtet die Wirtschaftszeitung Jornal de Negócios. (jam, DER STANDARD, 30.7.2014)

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