Libyen zahlt Verteidiger eines Al-Kaida-Verdächtigen

30. Juli 2014, 05:30
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Anas al-Libi wurde von US-Spezialeinheiten entführt und steht in New York vor Gericht

Die Regierung Libyens bezahlt den US-Verteidiger Bernard Kleinman, der vor einem New Yorker Gericht Nazih al-Ragye, bekannt als Anas al-Libi, vertritt. Obwohl der Anwalt beantragt hatte, diese Information nicht zu veröffentlichen, weil seine Auftraggeber lieber anonym bleiben wollten, entschied Richter Lewis A. Kaplan am Montag, dass in diesem Fall das öffentliche Interesse überwiege.

Der Anwalt musste auch die Namen seiner libyschen Kontaktpersonen, darunter ein mittlerweile abberufener Botschaftsmitarbeiter, bekanntgeben. Der Richter befürchtet, dass der Prozess an einem Interessenkonflikt scheitern könnte. Der Verteidiger beteuert allerdings, bezüglich seiner Strategie keine Vorgaben aus Libyen empfangen zu haben.

foto: reuters/jane rosenburg
Anas al-Libi (links) und Bernard Kleinman im Gerichtssaal

Anas al-Libi war im Oktober des Vorjahres von US-Spezialeinheiten in Libyen festgenommen und außer Landes gebracht worden. Ihm wird vorgeworfen, 1998 an den Bombenanschlägen auf US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen zu sein, bei denen 224 Menschen ums Leben kamen.

foto: apa/epa/afp/alexander joe
Bei dem Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi kamen über hundert Menschen ums Leben, mehr als 4000 wurden verletzt

Der Libyer hatte 1995 in Großbritannien Asyl erhalten, weil er an einem gescheiterten Anschlag auf Ägyptens Präsident Hosni Mubarak beteiligt war. Eine Auslieferung nach Ägypten lehnte die britische Regierung damals ab, weil dort kein faires Verfahren zu erwarten sei.

Daten gelöscht

Er wurde 1999 von Scotland Yard unter Terrorismusverdacht festgenommen, musste aber mangels Beweisen freigelassen werden. Er hatte es vor seiner Verhaftung noch geschafft, die Festplatte seines Computers zu löschen. Kurz danach verließ er Großbritannien, in seiner Wohnung in Manchester fanden Ermittler später eine handgeschriebene Anleitung für Untergrundkämpfer, das sogenannte „Al-Kaida-Handbuch“. Eine englischsprachige Übersetzung des Texts findet sich auf der Webseite des US-Justizministeriums.

Wo sich Anas al-Libi die folgenden Jahre aufhielt, ist unklar: obwohl das US-Außenministerium ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf ihn aussetzte, war keine Spur zu finden. Im Jahr 2010 soll er im Rahmen eines Versöhnungsprogramms in seine libysche Heimat zurückgekehrt sein, wo ihn am 5. Oktober 2013 Angehörige der US-Sondereinheit „Delta Force“ festnahmen.

Ein Video aus einer Überwachungskamera zeigt den Zugriff

Die Entführung löste in Libyen empörte Reaktionen aus: in Bengasi forderten Demonstranten seine sofortige Freilassung und protestierten gegen die USA, indem sie Flaggen verbrannten.

foto: foto: reuters/esam omran al-fetori
Demonstration gegen die Festnahme Anas al-Libis

In der Hauptstadt Tripolis entführten Angehörige einer Miliz den damaligen Premierminister Ali Zeidan aus seinem Hotelzimmer und ließen ihn erst Stunden später wieder frei. Sie warfen ihm vor, von der bevorstehenden Festnahme gewusst, diese aber nicht verhindert zu haben. Fünf Monate später wurde er gestürzt.

Die US-Soldaten brachten den Gefangenen währenddessen auf ein vor der Küste Libyens kreuzendes Kriegsschiff, wo er einvernommen wurde.

foto: foto: reuters/petty officer 2nd class jason zalasky/us navy
Anas al-Libi wurde an Bord der USS San Antonio verhört

Die Anklage wirft ihm vor, das Ziele der Bombenanschläge in Nairobi ausgespäht zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe, der Prozess soll im November beginnen, falls es sein Gesundheitszustand zulässt: Anas al-Libi leidet an Hepatitis C. (bed, derStandard.at, 29.7.2014)

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