Substitutionstherapie hilft opiatabhängigen Schwangeren

29. Juli 2014, 13:36
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Insgesamt hohe Gesundheitsrisiken

Wien - Eine neue wissenschaftliche Studie aus Wien zeigt, wie hoch die Gesundheitsrisiken unter schwangeren Opiatabhängigen und abhängigen jungen Müttern sind. Andererseits deutet sie aber auch auf einen positiven Effekt intensiver Betreuung hin.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit eines Autorenteams unter der Leiterin der Ambulanz für Drogenabhängige der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien im Wiener AKH, Gabriele Fischer, ist vor kurzem in den "Archives of Women's Mental Health" erschienen. Die Autoren haben im Rahmen der Studie die Daten von 390 opiatabhängigen Frauen analysiert, die zwischen 1994 und 2009 als Schwangere bzw. dann als junge Mütter an der Klinik betreut worden sind. Gerade in dieser Situation ist eine besonders intensive Betreuung notwendig und fördert die Gesundheit der Babys. Wichtig ist es auch, die Schwangeren von der intravenösen Injektion von Opiaten wegzubekommen und per Substitutionstherapie zu betreuen.

Deutliche Risikoreduktion

Wie die Auswertung zeigt, konnten 125 Patientinnen neu auf Opioidmedikation eingestellt werden. Das bedeutet an sich schon eine deutliche Risikoreduktion für opiatabhängige Schwangere und deren Kinder. Im dritten Schwangerschaftsdrittel erhielten 184 Patientinnen Methadon, 77 Buprenorphin und 129 lang wirksames Morphin in oraler Form.

Bei der Entbindung waren die Frauen durchschnittlich 25,5 Jahre alt und hatten zumeist schon das zweite Kind. Das deutet auf frühe Schwangerschaften in dieser Personengruppe hin. 86,4 Prozent hatten zum Geburtstermin die österreichische Staatsbürgerschaft, 204 (52,3 Prozent) nur Pflichtschulabschluss. Im Durchschnitt rauchte jede von ihnen täglich 14,6 Zigaretten. Auch das stellt ein hohes Risiko dar.

Ein anderes Risiko: 231 der Probandinnen wiesen eine chronische Hepatitis C auf. Da diese praktisch ausschließlich über Blutkontakte übertragen wird, ist auch hier eine Gefährdung für diese Drogenabhängigen in Österreich evident. Rund drei Viertel der Frauen konnten ihr Kind nach der Entbindung nach Hause nehmen und für es sorgen.

"Beikonsum" anderer Substanzen weniger und seltener

Wie die Befragungen und Laboruntersuchungen zu möglichem "Beikonsum" anderer psychotroper Substanzen als der verordneten Narkotika ergaben, wiesen Frauen mit einer Erhaltungstherapie mit Buprenorphin weniger zusätzlichen Benzodiazepin-Gebrauch (Schlaf- und Beruhigungsmittel) als bei einer Ersatztherapie mit Methadon oder lang wirksamen Opiaten auf. Außerdem verwendeten die Frauen unter Buprenorphin seltener zusätzlich noch andere, illegal erworbene, Opiate.

Laut den Autorinnen zeigte sich, dass eine individuell abgestimmte Therapie für drogenabhängige Schwangere effektiv ist. Das zeige auch die gestiegene Lebensqualität nach der Entbindung. (APA, 29.07.2014)

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