Ebola-Ansteckungsgefahr in Westafrika soll für Ausländer gering sein

29. Juli 2014, 13:36
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Experte: Virus durch engen Kontakt übertragen, nur behandelnde Ärzte stärker gefährdet

Hamburg/Monrovia - Die Gefahr einer Ebola-Ansteckung für Ausländer in den betroffenen westafrikanischen Ländern ist nach Ansicht von Experten sehr gering. Das Virus werde nur durch direkten Kontakt übertragen, sagte Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg, am Dienstag. Eine Ansteckung durch die Luft wie bei einer Grippe sei nicht möglich.

In den betroffenen Ländern hielten sich außerdem kaum Urlauber auf: "Das sind keine typischen Touristendestinationen." Am ehesten vor Ort seien Mitarbeiter ausländischer Unternehmen, die aber in der Regel isoliert in eigenen Siedlungen lebten. Einem direkten Ansteckungsrisiko ausgesetzt seien nur ausländische Ärzte oder Helfer, die sich um Erkrankte vor Ort kümmerten. "Das wäre das einzige Szenario, was wirklich vorstellbar ist", so der Mediziner.

Barrieren oft überwindbar

Die jüngst bekannt gewordenen Infektionen bei zwei Ärzten und einer Pflegerin zeigten, dass die "Barrieren" zum Schutz des medizinischen Personals von dem Virus im Einzelfall tatsächlich überwunden werden könnten, sagte Schmidt-Chanasit.

In dem betroffenen Gebiet sei es nicht immer möglich, bei der Versorgung der Ebola-Patienten Schutzstandards auf westeuropäischen Niveau zu garantieren. In Westeuropa wäre die Isolierung von Infizierten auf speziellen Stationen dagegen kein Problem. "Das sind ganz, ganz andere Bedingungen", betonte der Mediziner.

Unter dem infizierten medizinischen Personal waren auch ein Arzt und eine Missionarin aus den USA. Die Missionarin hatte Schutzanzüge in einem Krankenhaus in Liberia desinfiziert.

Flugverbot

Wenige Tage nach dem Bekanntwerden des ersten Ebola-Falls in Nigeria hat die Luftaufsichtsbehörde des Landes drastische Konsequenzen gezogen. Sie untersagte der Airline ASky, Ziele in Nigeria anzusteuern. In der vergangenen Woche war ein Liberianer mit Ebola-Symptomen mit einer ASky-Maschine nach Lagos gereist. Dort brach er am Flughafen zusammen und starb wenige Tage später in Quarantäne.

"Die Leben von Millionen Nigerianern sind zu kostbar, um sie wegen der Fahrlässigkeit einer Airline aufs Spiel zu setzen", hieß es am Dienstag in einer Mitteilung. ASky dürfe erst dann wieder nach Nigeria fliegen, wenn die Verantwortlichen beweisen könnten, dass alle Passagiere eingehend auf Ebola geprüft würden. Die Gesellschaft steuert seit 2010 zahlreiche Ziele in West- und Zentralafrika an und hat ihren Hauptsitz in Lome in Togo.

Andere Fluggesellschaften wurden ebenfalls dringend aufgefordert, alle nötigen Präventionsmaßnahmen zu ergreifen, damit keine Passagiere mit dem Virus nach Nigeria geflogen werden. Die meisten Menschen, die mit dem verstorbenen Liberianer in Kontakt waren, seien unterdessen von der Lokalregierung in Lagos ausfindig gemacht und auf Isolierstationen gebracht worden.

Seit Monaten breitet sich ein besonders aggressiver Ebola-Virusstamm in Westafrika aus. Er tötete bereits mehr als 670 Menschen. Betroffenen sind Guinea, Liberia und Sierra-Leone. Einen ersten Todesfall gab es inzwischen auch in Nigeria. Es handelt sich um einen Flugreisenden, der aus Liberia eingereist war. Schmidt-Chanasit forderte in diesem Zusammenhang eine bessere Überwachung der Grenzen in der Region: "Die Grenzkontrollen müssen verstärkt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern." (APA, 29.7.2014)

  • Ebola ist echt.
    foto: ap photo/jonathan paye-layleh

    Ebola ist echt.

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