Mangott: Bei Wirtschaftssanktionen droht Krieg

29. Juli 2014, 08:56
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Experte: Kreml hätte dann nämlich im Konflikt mit Kiew "nichts mehr zu verlieren" - Vergeltungsmaßnahmen dürften sich gegen die Ukraine richten

Kiew/Moskau/Wien - Der Russland-Experte Gerhard Mangott befürchtet, dass die geplanten EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland einen "direkten russisch-ukrainischen Krieg" auslösen könnten. Wenn der Kreml nichts mehr zu verlieren habe, könnte er seine Position "verhärten", schreibt der Innsbrucker Politikwissenschafter in einem Gastkommentar für die "Wiener Zeitung" (Dienstagsausgabe).

"Die Sanktionen werden Russlands Wirtschaft vehement schaden", betont Mangott. Ein Einlenken Moskaus im Ukraine-Konflikt sei aber "nicht sicher". Mittelfristig könnte die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage durch die Sanktionen zwar dazu führen, dass die Unzufriedenheit mit der Kreml-Führung zunehme, doch auch das "muss nicht so sein". "Die Leidensfähigkeit der Russen angesichts des ausländischen Drucks ist bekannt." Auch sei derzeit die "Partei des Krieges" in Russland deutlich stärker.

Wirtschaftliche Gegenmaßnahmen Russlands müsse die EU nicht fürchte. Moskau könne der EU nämlich nicht schaden, "ohne sich damit viel härter zu schaden", schreibt Mangott. "Russland könnte daher einen anderen Adressaten für Gegenmaßnahmen suchen: die Ukraine." Moskau könnte nicht nur die schon eingeführten Handelsbeschränkungen "deutlich ausweiten", sondern "als stärkstes Instrument" auch mit der Ausweisung ukrainischer Gastarbeiter beginnen. Damit würde die wirtschaftliche Stabilisierung der Ukraine noch teurer als bisher geplant. "Das wäre ein sehr hoher Preis, den die EU zahlen müsste." (APA, 29.7.2014)

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