Ukraine: Multimillionär mit Potenzial für die große Politik

28. Juli 2014, 18:57
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Wladimir Groisman (36) führt die Kiewer Regierung.

Wladimir Groisman hat in seinem Leben schon viel erreicht, doch politisch war der 36-jährige Ukrainer bis vor kurzem nur Insidern bekannt. Das ist inzwischen anders geworden. Und seitdem der bisherige Regierungschef Arsenij Jazenjuk das Handtuch geworfen hat, steht Groisman interimistisch an der Spitze der Kiewer Regierung. Ob er bleibt, hängt auch davon ab, ob Präsident Petro Poroschenko und das Parlament Jazenjuk noch überzeugen können weiterzumachen.

Der erst 36 Jahre alte Groisman gilt als politisches Ziehkind von Poroschenko. Bis Herbst 2012 war der Selfmade-Multimillionär Groisman Bürgermeister der Provinzstadt Winniza - einen Posten, den er mit 28 Jahren übernommen hatte. Dort hat Poroschenko einen Hauptteil der Produktionsanlagen seines Süßwarenimperiums Roshen.

Erst vor knapp zwei Jahren hat der Unternehmersohn Groisman die politische Bühne in Kiew betreten. Nach der Wahl der Übergangsregierung von Jazenjuk Ende Februar bestand Poroschenko darauf, selbst wenigstens einen Vertrauten in der von der Vaterlandspartei Julia Timoschenkos geführten Regierung einzusetzen. Groisman stieg zum Vizeministerpräsidenten auf.

Die Schule hat der neue Regierungschef mit 14 Jahren aufgegeben. Stattdessen fing er an, als Schlosser im Betrieb seines Vaters zu arbeiten. Mitte der 90er-Jahre gründete er sein eigenes kleines Unternehmen und verkaufte Uhren aus ukrainischer Produktion nach Polen. 2002 wurde er in den Stadtrat Winnizas gewählt, vier Jahre später zum Bürgermeister. 2010 absolvierte er nach diversen Weiterbildungen einen Masterstudiengang im Fach Regionalverwaltung - ein Themenbereich, der als sein Spezialgebiet gilt.

In einem Interview hat der Vater dreier Kinder einmal für Paris und San Francisco geschwärmt. Er reise gerne, diese beiden Städte hätten es ihm besonders angetan. Dort mischten sich Reich und Arm, Geschichte und Moderne.

Für Donnerstag ist eine Sondersitzung der Werchowna Rada vorgesehen, das ukrainische Parlament soll über den Rücktritt Jazenjuks beraten. Poroschenko will der Zeitung Segodna zufolge alles tun, damit Jazenjuk wieder auf seinen Posten zurückkehrt. Unbeliebte Entscheidungen soll die Übergangsregierung verabschieden - seinen Ziehsohn Groisman, so interpretieren es Beobachter, will der Präsident lieber für künftige politische Aufgaben schonen. Nina Jeglinski

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