Weitere Maßnahmen für Integration gefordert

28. Juli 2014, 15:41
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Caritas will Maßnahmen im Bildungsbereich - Warnung vor "Ausgrenzung in Extraklassen"

Wien - Parteien und Organisationen sehen sich durch den am Montag präsentierte Integrationsbericht großteils in ihren Forderungen bestätigt. Maßnahmen im Bildungsbereich forderte etwa die Caritas in einer Aussendung, allerdings warnt sie wie SPÖ und Grüne vor "Ausgrenzung in Extraklassen". Wirtschaftskammer und Grüne stehen hinter der Forderung nach der Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot-Karte.

Caritas-Präsident Michael Landau begrüßt die Empfehlungen des Expertenbeirats im Bildungsbereich. "Klar ist aber auch: Die empfohlene Sprachförderung muss zusätzlich und darf nicht anstelle des Regelunterrichts stattfinden. Wir brauchen keine Ausgrenzung in separate Klassen, sondern besondere Sprachförderung in allen Klassen." Aus Sicht der Caritas wäre es auch wichtig, in den Sommermonaten und Ferienzeiten eine umfassende Sprachförderung zur Verfügung zu stellen, was sich auch der Expertenrat bei der Präsentation des Berichts vorstellen konnte.

Rot-Weiß-Rot-Karte modernisieren

Eine Modernisierung der Rot-Weiß-Rot-Karte hält die Wirtschaftskammer für wichtig. Die Problematik, dass Österreich es derzeit nicht schafft, die besten Köpfe im Land zu halten, werde immer dringlicher, sagte dazu Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer. "Damit bringen wir uns um die Chance von zusätzlichem Wachstum und höheren Einnahmen in den öffentlichen Haushalten." Für die Wirtschaftskammer ist es zudem grundsätzlich vorstellbar, das Programm "Mentoring für MigrantInnen", wie vom Expertenrat vorgeschlagen, auch auf ausländische Studienabsolventen auszudehnen.

Auch Neos-Wissenschaftssprecher Niki Scherak zeigte sich erfreut über die Aussagen von Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) zur Rot-Weiß-Rot-Karte, kritisierte aber, dass SPÖ und ÖVP den von den Neos bereits im April eingebrachten Anträgen im Parlament bis dato nicht zustimmen wollten.

"Die Einführung eines durchgängigen und nachhaltigen Sprachförderkonzepts, das im Kindergarten beginnt und Quereinsteiger auf allen Bildungsstufen berücksichtigt, ist sehr erfreulich", meinte der Vizegeneralsekretär der Industriellenvereinigung, Peter Koren. Sprachschwierigkeiten oder mangelnde Deutschkenntnisse dürfe man jedoch nicht nur im Migrationskontext betrachten.

Rotes Kreuz für mehr Förderunterricht

Auch Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, hält den geplanten zusätzlichen Förderunterricht für Kinder, die ohne Deutschkenntnisse nach Österreich kommen, für sinnvoll. Die Kinder würden dabei nicht aus einem Klassenverband gerissen, sondern erhielten gezielte Sprachförderung, noch bevor sie in das Regelschulwesen eintreten. "Allerdings stellt sich die Frage, wer diese Kinder unterrichten soll", so Kerschbaum.

Das Erlernen der gemeinsamen Sprache Deutsch sei von zentraler Bedeutung, aber Integration sei immer "mehrdimensional", gab SPÖ-Integrationssprecherin Nurten Yilmaz zu bedenken. Die von der freiheitlichen "Parallelgesellschaft" ventilierte Forderung nach segregierten "Ausländerklassen" sei jedenfalls entschieden zurückzuweisen. Auch für die Bundesjugendvertretung sind getrennte Klassen für Sprachförderung kontraproduktiv.

Für ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank zeigt der Bericht, "dass Kinder mit Sprachdefiziten eine schlechtere Ausgangsbasis und daher grundsätzlich auch eine schlechtere Entwicklung haben". Wichtig sei, allen Kindern mit Sprachdefiziten möglichst früh eine Hilfestellung zum Spracherwerb zu geben.

Korun: "Brauchen konkrete Maßnahmen"

"Wir brauchen ganz konkrete Maßnahmen und Projekte zur Erreichung von Chancengleichheit", forderte die Integrationssprecherin der Grünen, Alev Korun. "Obwohl der neue Integrationsbericht teilweise von positiven Entwicklungen berichtet, braucht es gelebte Chancengleichheit in Österreich für ein besseres Zugehörigkeitsgefühl." Korun unterstützt vor allem die Forderungen des Expertenrates zur Rot-Weiß-Rot-Karte.

Eine weitere Empfehlung im Integrationsbericht kritisierte die ÖH: Sie lehnt den Vorschlag, zukünftig kostendeckende Studiengebühren von Drittstaaten-Studierenden einzuheben, vehement ab. (APA, 28.7.2014)

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