"Charlotte Salomon": Opernbilder einer Selbstsuche

28. Juli 2014, 23:43
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Uraufführung von Marc-André Dalbavies neuer Oper in Salzburg

Salzburg - Die erste Uraufführung der nach drei Sommern schon zu Ende gehenden Ära Alexander Pereiras handelt von einer in Auschwitz ermordeten Künstlerin. Charlotte Salomon, deren Namen die Oper trägt, hinterließ mit "Leben? oder Theater?" jedoch ein Werk aus Bildern und Texten, in dem sie sehr privat ihre Familiengeschichte teils fiktiv schildert.

Es bildet die Basis für Marc-André Dalbavies Oper, die Regisseur Luc Bondy in der Felsenreitschule sensibel inszenierte. Der Komponist hat ein zitatenfreudiges Opus erschaffen, das sich in vielen Momenten klangflächig gibt, um an dramatischen Stellen in heftigen Entladungen zu münden. Die Hauptfigur tritt dabei doppelt in Erscheinung.

Die erzählende Charlotte liegt in der Obhut der delikaten Johanna Wokalek, die singende Charlotte meistert Marianne Crebassa mit imposanter Leichtigkeit. Bisweilen findet jedoch auch ein reizvoller Rollentausch statt. Bondy hat in einem länglichen, schachtelartigen Raum subtil auf den Reiz parallel ablaufender Szenen gesetzt.

Präzis ist dabei seine Personenführung, so unaufgeregt wie eindringlich entfalten sich die Beziehungen der Figuren. Nur der Einbruch des Nazitums in Form von uniformierten Hakenkreuzrüpeln wirkt recht plakativ. Insgesamt eine tolle Ensembleleistung, die bejubelt wurde. (toş, DER STANDARD, 29.7.2014)

  • Ein Schicksal zwei Frauen: Marianne Crebassa als Charlotte Kann und Johanna Wokalek als Charlotte  Salomon.
    foto: apa/neumayr/probst

    Ein Schicksal zwei Frauen: Marianne Crebassa als Charlotte Kann und Johanna Wokalek als Charlotte Salomon.

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