Indonesiens Regierung verbietet den "Islamischen Staat"

13. August 2014, 11:17
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Abu Bakar Bashir, Drahtzieher der Anschläge auf Bali, unterstützt die Ziele der IS und bringt damit die Behörden unter Zugzwang

Die indonesische Regierung kündigt an, in Zukunft rigide gegen Unterstützer des "Islamischen Staates" (IS, vormals ISIS) vorgehen zu wollen. Die Gruppierung sowie die Verbreitung ihrer Ideologie wurden in dem Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung verboten. Das Außen- und Justizministerium wollen künftig mit dem Geheimdienst sowie der nationalen Antiterrorbehörde zusammenarbeiten und mögliche Jihadisten an der Ausreise in die Konfliktzone hindern.

Außerdem soll eine Öffentlichkeitskampagne, an der sich auch religiöse Führer beteiligen werden, für mehr Bewusstsein für die Gefahr, die von der IS ausgeht, sorgen und IS-Videos auf Youtube gesperrt werden.

Bali-Bomber bekennt sich zu IS

In Indonesien wird der Aufstieg der IS als Bedrohung wahrgenommen, vor allem seit der bekannteste indonesische Terrorist Abu Bakar Bashir, der für die Anschläge in Bali 2002 mitverantwortlich ist, selbst aus dem Gefängnis zur Unterstützung der IS aufgerufen hat. Bashir legte im Beisein von Mitgliedern seiner eigenen Terrororganisation Jama'ah Anshorut Tauhid (JAT), die ihn im Gefängnis besuchten, einen Eid auf die IS ab.

Mindestens 60 Indonesier sind derzeit im Irak und in Syrien als Jihadisten unterwegs. "Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen 100 und 150 Personen", sagt Sidney Jones vom Institute for Policy Analysis of Conflict in Jakarta. Auch eine Handvoll Kämpfer aus Malaysia, Singapur und den Philippinen soll dort unterwegs sein. "Wir wissen derzeit von drei Indonesiern, die im Irak getötet wurden", so Jones.

Einer jener, die sich vor Ort aufhalten, ist Mohammed al-Indonesi, der jüngst in einem Youtube-Video mit dem Titel "Join the Ranks" indonesische Muslime aufforderte, es ihm gleichzutun. Al-Indonesi ist kein Unbekannter, er hat Verbindungen zu Indonesiens meistgesuchtem Terroristen Santoso und wird deshalb schon länger von den Behörden gesucht.

syria focus
Rekrutierungsvideo von Mohammed al-Indonesi.

Doch auch in Indonesien selbst gingen IS-Unterstützer schon gemeinsam auf die Straße, um für das "Kalifat" zu demonstrieren. Von Einigkeit und bedingungsloser Loyalität zur IS vonseiten indonesischer Jihadisten kann trotzdem nicht die Rede sein. Bisher unterstützten viele Gruppierungen - darunter auch die Jemaah Islamiya - auch den Gegenspieler der IS, die Al-Nusra-Front, die zuletzt an Einfluss verlor. Jetzt wird von mehreren Seiten, wie zum Beispiel der Antiterrorbehörde, befürchtet, dass das öffentliche IS-Bekenntnis von Bashir hilft, diese Lücken zu schließen und die Islamisten in Indonesien zu vereinen.

Erinnerungen an den Afghanistankrieg

Sidney Jones bewertet die neuen Maßnahmen der indonesischen Regierung als wichtig und richtig. Das Problem aus der Welt schaffen könnten sie trotzdem nicht, liegt es doch anderswo: "Vor der ISIS wurden die Leute in Gruppen rekrutiert, die sehr amateurhaft angemutet haben. Jetzt gibt es mit der IS eine Organisation, die tatsächliche Trainingsstrukturen in Syrien und Irak hat." Kritisch werde es vor allem dann, wenn die Jihadisten wieder heimkehren. Damit könnte eine ähnliche Situation eintreten, wie sie Indonesien mit der Rückkehr der Kämpfer aus dem Afghanistankrieg Anfang der 90er schon einmal erlebt hat. Damals begann damit die Terrorwelle im eigenen Land.

Freiwillige Ausreise ohne aktive Rekrutierung

Die Hemmschwelle derjenigen, die für die IS in den Kampf ziehen wollen, sei sehr niedrig. Propaganda-Videos und lose Kontakte seien hierfür oftmals schon ausreichend. "Viele haben sich dazu entschlossen, einfach zu gehen. Deshalb ist der Begriff der Rekrutierung in diesem Zusammenhang sogar falsch, weil das bedeuten würde, dass jemand aktiv nach Nachwuchs sucht", sagt Jones. Auch Auslandsstudierende kämpfen für das "Kalifat". "Es gab eine Reihe Indonesier und Malaysier, die von ihren Universitäten in Ägypten, in Pakistan oder im Jemen direkt nach Syrien gegangen sind", erzählt Jones.

Das IS-Verbot der indonesischen Behörden zeigt bisher noch wenig Wirkung. Zuletzt wurden an mehreren indonesischen Moscheen Magazine ausgehändigt, die den Lesern den "Islamischen Staat" erklären und Gerüchte über ihn entkräften sollten. (Teresa Eder, derStandard.at, 13.8.2014)

  • Abu Bakar Bashir - Drahtzieher der Anschläge auf Bali 2002, die 202 Tote forderten  - unterstützt nun den "Islamischen Staat".
    foto: apa/epa/indahono

    Abu Bakar Bashir - Drahtzieher der Anschläge auf Bali 2002, die 202 Tote forderten - unterstützt nun den "Islamischen Staat".

  • Terrorübung der indonesischen Sicherheitskräfte.
    foto: apa/epa/simjanuntak

    Terrorübung der indonesischen Sicherheitskräfte.

  • selo dwi

    Aufmarsch von IS-Anhängern in Indonesien.

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