Ursulinenhof in Linz: Wo Phoenix aus der Asche stieg

Ansichtssache28. Juli 2014, 05:30
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Nach einem Brand wurde das Dachgeschoß des Linzer Ursulinenhofes fit fürs 21. Jahrhundert

Linz - Über vier Stockwerke schossen die Funken vom Keller durch einen Lüftungsschacht in die Höhe und setzten den hölzernen Dachstuhl in Brand. Meterhoch schlugen am Nachmittag des 3. Juni 2009 aus dem Dach des Linzer Ursulinenhofes die Flammen. Es dauerte 22 Stunden, bis die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, der durch Schweißarbeiten ausgelöst worden war.

"Auch wenn es zynisch klingen mag", meint Martin Sturm, der Direktor des offenen Kulturhauses Oberösterreich, während er die steinernen Stufen zum Dachboden hinaufsteigt und die schwere Eisentüre aufsperrt, "aber nach dem Brand ist hier Phoenix aus der Asche gestiegen." Denn das Dachgeschoß sei nicht einfach wiederhergestellt worden, "es wurde weiterentwickelt ins 21. Jahrhundert".

Oben öffnet sich ein weißer, sonnendurchfluteter Raum, darüber spannt sich ein Giebel aus Stahl. Der hölzerne Dachstuhl aus dem 18. Jahrhundert des Südflügels des einstigen Klosters der Ursulinen wurde ersetzt durch ein Hochfoyer, das für Ausstellungen genutzt wird. Aber nicht nur dieser 150 Quadratmeter große, neue Dachboden sei "bespielbar", erklärt Sturm.

Höhenrausch im Kulturhauptstadtjahr

Zum europäischen Kulturhauptstadtjahr 2009 entwickelte er die Idee des Höhenrausches - Kunst zum Anfassen über den Dächern von Linz und unter dem Dach des Ursulinenhofes. Wie die "Gänge in einem Fuchsbau" schlängeln sich die hölzernen Stege durch die Dachlandschaft des Vierkanthofes mit der Klosterkirche. In regelmäßigen Abständen blinken an den Holzbalken Feuermelder. Sonst ist es finster, keine Luken in den Himmel wie im neu aufgesetzten Südteil. Vom Dachstuhl des Kirchenschiffs kann man direkt auf das darunterliegende steinerne Gewölbe der Kirche blicken.

Seit 1723 thront das mächtige, barocke Kloster mitten in Linz. Die Gesellschaft der Heiligen Ursula zu Wien hatte den Entschluss gefasst, sich auch in Oberösterreich niederzulassen. Willkommen waren die Ursulinen zunächst nicht. "Erst als sie im Kloster eine Schule für adelige Mädchen errichteten, änderte sich dies", erzählt Sturm. 1957 stand der Ursulinenkonvent wegen Schwesternmangels vor der Auflösung.

15 Jahre später erwarb das Land den fast 9500 Quadratmeter großen Komplex samt Kirche. Nach der Renovierung überließ das Land die Kirche der Diözese. Aus dem Kloster wurde das Landeskulturzentrum Ursulinenhof, das heute vom Keller bis zum Dach zeitgenössische Kultur zeigt. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 27.7.2014)

foto: otto saxinger

Am 3. Juni 2009 brannte ein Teil des Ursulinenhof-Dachstuhls aus.

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foto: otto saxinger

Nach dem Brand im Jahr 2009 entstand ganz oben auf dem Linzer Ursulinenhof ein sonnendurchflutetes Hochfoyer.

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foto: otto saxinger

Es präsentiert sich seither in teils moderner Form. Immer wieder finden oben Ausstellungen und Installationen statt.

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foto: otto saxinger

Darunter etwa das Projekt "Zero Hidrografico" von Gisela Motta und Leandro Lima.

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Ein unbetiteltes Projekt von Serge Spitzer unter Zuhilfenahme von knapp einer Million Metallkugeln.

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foto: otto saxinger

Die Rauminstallation Twist Below Zero von Pepi Maier.

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foto: otto saxinger

Draußen im freien wurde auch ein Kräutergarten gepflanzt.

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