Letzte Reise zu Ende: Costa Concordia im Hafen Genua

27. Juli 2014, 13:24
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Das havarierte und um 1,5 Milliarden Euro geborgene Schiff ist in Genua angekommen.

Genua - Die letzte Reise der 2012 havarierten Costa Concordia ist zu Ende. Sirenen kündigten die Ankunft des Luxusliners im Verschrottungshafen Genuas an, nachdem es seit der Abfahrt von der Insel Giglio 200 Seemeilen (circa 350 Kilometer) zurückgelegt hatte. Schlepper führten die Costa Concordia rückwärts zum Kai, wo sie schrittweise zerlegt werden soll.

Michael Thamm, deutscher Geschäftsführer von Costa Crociere, der Betreiberin des havarierten Schiffs, stieg an Bord der Costa Concordia und gratulierte dem Team um Projektleiter Nick Sloane, das das Schiff von der Insel Giglio nach Genua geführt hat. Thamm unterzeichnete die Dokumente, mit denen der Besitz des Schiffes der Firma Saipem zwecks Verschrottung übergeben wird. "Das Bergungsteam hat Tolles geleistet. Es war die größte Bergungsaktion in der Schifffahrtsgeschichte. Die Freude über die gelungene Operation darf uns nicht die Opfer dieses Unglücks vergessen lassen. Wir wollen dafür sorgen, dass so ein Unglück nie wieder vorkommt", betonte Thamm.

Militärschrott für Piombino

Der italienische Premier Matteo Renzi hat am Sonntag dem Bergungsteam für den gelungenen Transport des Schiffes gedankt. Die Bergung sei eine außerordentliche Leistung, die italienischer Technologie zu verdanken sei.

"Die außerordentliche Qualität vieler Menschen hat es ermöglicht, dass die Costa Concordia nach Genua zurückkehren konnte. Italien ist eine einmalige Bergungsaktion gelungen", lobte Renzi. Die Freude über die gelungene Abschleppung der Costa Concordia nach Genua sei groß, doch niemand dürfe die 32 Todesopfer des Unglücks vor der Insel Giglio vergessen.

Renzi verteidigte den Beschluss seiner Regierung, Genua als Abwrackhafen anstelle von Piombino in der Toskana gewählt zu haben. "Piombino wäre nicht in der Lage gewesen, die Costa Concordia aufzunehmen. Wir werden Piombino jedoch nicht vergessen. Hier sollen zwei Militärschiffe verschrottet werden", versicherte Renzi.

Auftrag erfüllt

"Der Auftrag ist erfüllt. Heute ist ein großartiger Tag und der Ende eines Notstands, der mit der Havarie im Jänner 2012 begonnen hatte", kommentierte Zivilschutzchef Franco Gabrielli. Zufrieden zeigte sich auch der italienische Umweltminister Gianluca Galletti, der damit auf Kritik seitens seiner französischen Amtskollegin Ségolène Royal reagierte: "Wir haben alle Vorbeugungsmaßnahmen für einen sicheren Abtransport ergriffen. Alles ist bestens verlaufen. Die Franzosen sollten uns mehr vertrauen", kommentierte Galletti. Die Politikerin hatte bemängelt, dass die Behörden ihres Landes nicht früher von Italien über die Route der Costa Concordia informiert worden seien.

"Die Costa Concordia ist nach Hause zurückgekehrt", sagte Genuas Hafenpräsident Luigi Merlo. Genua könne jetzt sein technisches Know-how unter Beweis stellen. Der Bau und die Verschrottung großer Schiffe seien aus Europa zum Großteil nach Asien abgewandert. Jetzt könnte das aber wieder ein wichtiges Segment für die europäische Industrie werden.

Der Auftrag zum Abwracken erhielt ein Konsortium der italienischen Ölfirma Saipem und der genuesischen Unternehmen Mariotti und San Giorgio. Um die Costa Concordia sollen Barrieren errichtet werden, um zu verhindern, dass gefährliche Stoffe ins Wasser gelangen. In einer ersten Phase sollen Möbel und die gesamte Inneneinrichtung der Costa Concordia entfernt werden. Erst danach kann die Abwrackung beginnen.

Unglück in Jänner 2012

Der 290 Meter lange Kreuzfahrtkoloss war im Jänner 2012 vor der Mittelmeerinsel Giglio auf einen Felsen gefahren und havariert. 32 Menschen starben bei dem Unglück, darunter auch zwölf Deutsche. Nach dem letzten noch vermissten Opfer soll beim Verschrotten des Schiffs nochmals gesucht werden. Nach der Havarie war die Costa Concordia in einer weltweit einmaligen und insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro teuren Bergungsaktion auf den Abtransport vorbereitet worden.

Mit vier Stundenkilometern unterwegs

Etwas weniger als vier Tage hat das Schiff mit seinen Schleppern für die gut 350 Kilometer lange Strecke nach Genua gebraucht. Durchschnittlich war der Konvoi mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei Knoten (rund 3,7 Stundenkilometer) unterwegs. Auf den letzten Kilometern wurde das Tempo jedoch reduziert. (Reuters, 27.7.2014)

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    Es ist kaum zu glauben: Das 2012 havarierte Schiff befindet sich im Zieleinlauf. Jetzt wird es verschrottet.

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    Schaulustige haben sich schon häuslich eingerichtet.

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    Die Costa Concordia in mehrfacher Begleitung.

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    Für den Hafen Genua soll die jetzt in zweijähriger Arbeit bevorstehende Verschrottung Arbeitsplätze bringen.

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