Italienischer Tenor Carlo Bergonzi gestorben

28. Juli 2014, 06:49
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Galt vor allem als Verdi-Tenor und schaffte eine internationale Karriere, die ihn auch zum Stammgast der Metropolitan Opera in New York werden ließ

Mailand - Er debütierte 1948 am Theater in Lecce als Bariton in der Rolle des Figaro in Rossinis Barbier von Sevilla. Erst drei Jahre später sollte Carlo Bergonzi allerdings seine wahre gesangliche Identität finden - er wechselte ins Tenorfach. Er war sich bewusst geworden, dass mit tieferen Tönen bestenfalls eine solide Karriere zu erwarten war, und ging ein Wagnis ein, das sich jedoch bald auszahlen sollte.

1951 präsentierte er sich in Bari in der Tenor-Partie des Andrea Chénier. Bereits 1953 sang der Bauernsohn aus Vidalenzo (nahe bei Busseto, also Verdis Geburtsort) dann an der Mailänder Scala und schaffte nach und nach eine internationale Karriere, die ihn auch zum Stammgast der Metropolitan Opera in New York werden ließ.

Trotz der etwa 60 Rollen, die Bergonzi beherrschte, galt er vor allem als grandioser Verdi-Tenor. Hört man ihn bei Donizetti oder Puccini, wird indes evident, dass seine Kunst flexibel genug war, in vielerlei Stilen mit großer Technik zu reüssieren und sich dabei immer eine spezielle Noblesse zu bewahren. Auf Basis eines hellen und doch kernigen Klanges materialisierte sich Bergonzis Gestaltungskunst mit singulärer Leichtigkeit in grazilen Legatolinien, Pianissimopoetik und kultivierten, da kontrollierten Energieentladungen.

In Busseto, wo er sogar das Hotel I due Foscari eröffnete, wirkte er schließlich nach langer Karriere als Lehrer, der seine subtilen Mittel auch an Salvator Licitra und Luca Pisaroni weitergab. Carlo Bergonzi ist am Samstag in Mailand 90-jährig gestorben. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 28.7.2014)

  • Technik im Dienste der Musikalität: Carlo Bergonzi.
    foto: epa/bruno bebert

    Technik im Dienste der Musikalität: Carlo Bergonzi.

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