Mittels App in wenigen Sekunden eine Kopie des Schlüssels anfertigen

26. Juli 2014, 16:54
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In den USA gibt es mehrere Online-Services, die umgehend Kopien von Schlüsseln ermöglichen

Wie einfach ein Einbruch mit moderner Technik heutzutage sein kann, wollte Wired-Journalist Andy Greenburg seinem Nachbar demonstrieren. So wurde dieser vorgewarnt und mittels Trick dazu gebracht, seine Schlüssel kurzzeitig auszuhändigen. Nur 30 Sekunden benötigte Greenburg, um ans Ziel zu kommen. Dafür verwendete er die iPhone-App KeyMe, mit der mittels Kamera der Schlüssel gescannt und das Ergebnis auf die Server des Unternehmens hochgeladen wird. Danach kann eine 3D-Drucker-Kopie beauftragt werden oder bei einem Kiosk mittels Automat eigens gefräst werden. Greenburg wählte die zweite Option und hatte nach einem Besuch eines Kiosks nur wenige Sekunden später eine Kopie des Schlüssels.

Auto- und Postkasten-Schlüssel folgen

Neben KeyMe gibt es in den USA bereits weitere Konkurrenzportale, die ein ähnliches Service anbieten. Laut Greenburg wären auch Schlüssel mit "Nicht duplizieren"-Aufschrift oder Sicherheitsschlüssel vom Dienst nicht ausgeschlossen. Auto- und Postkasten-Schlüssel sollen bald folgen. Um etwaigen Missbrauch zu begegnen können laut KeyMe nur Schlüssel gescannt werden, die sich nicht auf einem Bund befinden, laut Greenburg war dies jedoch bei seinem Testversuch möglich. Weiters schreibt KeysDuplicated-CEO Ali Rahimi, dass es Kriminellen bisher immer möglich war durch diverse Methoden eine Kopie eines Schlüssels zu fertigen.

Online-Services sollen sicherer sein

Auch KeyMe-Gründer Greg Marsh verteigt sein Service und streicht heraus, dass die Online-Kopie eines Schlüssels sicherer ist, da dadurch eine digitale Spur hinterlassen wird, außerdem sei dafür eine Kreditkarte, ein KeyMe-Account und ein Fingerabdruck notwendig. Falls eine Kopie für kriminelle Zwecke eingesetzt wurde, würde man laut Marsh schnell die Person dahinter eruieren können. Im Falle eines Einbruchs kann beispielsweise ein Schlüssel mit der Datenbank von KeyMe abgeglichen werden, um herauszufinden, ob das Service hierfür verwendet wurde.

Auch Kopien mittels Fotos möglich

Ferner ist es möglich Kopien nur mit Fotos von Schlüsseln anzufertigen. Sicherheitsforschern war es etwa gelungen, ein brauchbares Foto aus 60 Metern Entfernung zu schießen, das dann für eine Reproduktion verwendet wurde. Greenburg rät deshalb dazu, die Schlüssel prinzipiell in den Taschen zu lassen und nicht etwa am Gürtel herumzutragen. Weiteren Rat gibt es vom Niederländer Jos Weyers, der sich auf das Knacken von Schlössern spezialisiert hat und hierfür auch als Sicherheitsberater agiert. Ihm nach sollten Schlüssel, die länger als 20 Sekunden verschwunden sind, prinzipiell als verloren angesehen werden. Weyers sieht Portale wie KeyMe jedoch positiv, da die Bevölkerung nun einsieht, wie schnell ein Schlüssel kopiert werden kann und hierbei eventuell ein Umdenken einsetzt. (red, derStandard.at, 26.07.2014)

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