FPÖ setzt Abbau von NS-Mahntafeln durch 

26. Juli 2014, 09:12
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Grazer VP-Bürgermeister Nagl beugte sich - Kulturszene zeigt sich "bestürzt"

Graz - Die Proteste waren vergebens. Die Gedenktafeln, die an mehreren Grazer Plätzen an den Naziterror gemahnten, werden seit Freitag demontiert. Ein Dringlichkeitsantrag der grünen Stadträtin Lisa Rücker, die notwendige Genehmigung zu verlängern, war zuvor von FP und VP abgelehnt worden, mit dem Hinweis, dass die Aufstellung der Kunstobjekte im öffentlichen Raum nur auf Zeit erlaubt worden sei.

Den Abbruchbescheid hatte das Straßenamt des FP-Stadtrates Mario Eustacchio erlassen. VP-Bürgermeister Siegfried Nagl, der sich kürzlich noch für eine Verlängerung der Genehmigung bis Ende 2015 ausgesprochen hatte, beugte sich und argumentierte, er wolle Eustacchio nicht "overrulen" und nicht in sein Ressort hineinregieren. "Bei mir hat er aber sehr wohl hineinregiert und mich overruled, nämlich als es einmal um einen Zebrastreifen ging", sagt Rücker. Es sei eine Frage der Prioritäten, und da sei "für Nagl offenbar ein Zebrastreifen wichtiger als die Erinnerungskultur".

Beauftragt hatte die Kunstinstallationen von Jochen Gerz das Kulturressort des Landes - das sich in diesem Konflikt bisher zurückhielt. Die Chefs der Landesmuseen Joanneum, Peter Pakesch und Wolfgang Muchitsch, zeigten sich jedenfalls "erschüttert", dass es nicht möglich gewesen sei, diese "so bedeutsame Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die uns noch bis heute belastet, bis auf weiteres der Öffentlichkeit zu ermöglichen".

Sie seien zudem "bestürzt über die Geringschätzung eines internationalen Künstlers und dessen Werk". Es wäre Graz "als 'Stadt der Volkserhebung', aber auch als stolz sich selbst den Namen 'Menschenrechtsstadt' und 'Kulturhauptstadt' gebende Gebietskörperschaft gut angestanden, dieses Werk bestehen zu lassen". (Walter Müller, DER STANDARD, 26.7.2014)

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