Der Virologe, den Ebola einholte

25. Juli 2014, 18:11
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Sheik Umar Khan kämpft in Sierra Leone gegen das Virus

Das Gesundheitsministerium in Sierra Leone hat ihn als "Nationalhelden" bezeichnet. Sheik Umar Khan ist der erfahrenste Virologe des westafrikanischen Landes und kämpft seit Monaten gegen die Ausbreitung des tödlichen Ebolavirus. Nun hat auch er sich angesteckt.

Über 600 Todesopfer hat Ebola seit dem Ausbruch der jüngsten Epidemie im Februar dieses Jahres in den Ländern Sierra Leone, Guinea und Liberia bereits gefordert. Von rund 100 infizierten Mitarbeitern von Hilfsorganisationen ist ungefähr die Hälfte verstorben. Mehr als 100 erkrankte Personen hat der 39-jährige unverheiratete Arzt, der aus dem Ort Lungi im Norden des Landes stammt, selbst behandelt. Vor dem Ebola-Ausbruch arbeitete er an der Eindämmung des Lassa-Fiebers, einer nicht minder gefährlichen Krankheit.

Aktuell befindet sich Khan in einem von Ärzte ohne Grenzen geführten Behandlungszentrum in Kailahun. Sein Zustand sei stabil, erklärt ein Ministeriumssprecher dem Standard. Wie hoch seine Überlebenschancen sind, ist schwer zu sagen. Das Ebolafieber ist eine der tödlichsten Krankheiten mit Sterberaten bis zu 90 Prozent. Ausgangspunkt ist die Übertragung von Tieren, etwa durch Kontakt mit Fledermäusen oder infizierten Primaten, die als "Bushmeat" konsumiert werden. Dann kommt es zu Infektionsketten von Mensch zu Mensch über Körperflüssigkeiten. Symptome sind Fieber, Erbrechen, Durchfall, Hautblutungen sowie Organversagen. Identifizierte Infizierte werden isoliert, und es wird versucht, die Symptome etwa durch Rehydrierung des Körpers zu behandeln. Bei der aktuellen Epidemie überleben rund 40 Prozent. Eine überstandene Erkrankung macht gegen die spezielle Erregerart immun.

Sheik Umar Khan wusste um das Risiko. "Ich habe Angst vor Ebola. Ich habe Angst um mein Leben, weil ich es liebe", sagte er in einem Interview mit Reuters, bevor er erkrankte. Wie er sich ansteckte, ist unklar. Unter Kollegen gilt er als sehr gewissenhafter Arzt. Mit einem speziellen Spiegel, den er seinen "Polizisten" nannte, überprüfte er immer, ob sein Schutzanzug Löcher habe.

Dass er nun selbst infiziert ist, hat Khan laut dem Ministeriumssprecher ruhig hingenommen. Er sei weiterhin sehr ambitioniert und ermutige sein Umfeld, den Kampf gegen Ebola fortzusetzen. Dieser wird auch notwendig sein: Es handelt sich um den stärksten Ausbruch seit dem erstmaligen Auftreten im Jahr 1976. (Rainer Schüller, DER STANDARD, 26./27.7.2014)

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