Kontinente, im Klang vereint

25. Juli 2014, 17:48
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"Glatt & Verkehrt"-Festival startete mit „Arche Afrika“

Krems - Man muss in der Geschichte von Glatt & Verkehrt schon ein paar Jahre zurückgehen, um ein Projekt zu finden, bei dem sich in ähnlicher Weise antipodische Musikwelten gegenüberstanden wie am Mittwoch auf der Bühne der Winzer Krems. Anno 2006 trafen ebendort die Bäuerinnen der "Gleichenberger Dorffrauen" mit steirischen Dialektgstanzln auf die zeitgenössischen Klänge des Janus-Ensembles unter Christoph Cech; einer erzwungenen Fusion der beiden Sphären zog man damals zu Recht ein respektvolles Nebeneinander vor.

Nun standen im Projekt Kunzwana #1 auf der einen Seite die kantablen Melodien und tanzbaren Rhythmen traditioneller Lieder aus Simbabwe, auf der anderen abstrakte, frei improvisierte Geräuschstrukturen aus Europa. Gebrauchsmusik, die sich funktional in den Alltag eingliedert, versus Klänge mit autonomem Kunstanspruch. Ein riskantes Unterfangen, das bei Glatt & Verkehrt immerhin manch starken Moment zeitigte:

Zwar ließen die afrikanischen Musiker um Sängerin und Mbira-Spielerin Hope Masike ihrer Spielfreude freien Lauf und Trompeter Franz Hautzinger sowie Posaunist Werner Puntigam kaum ins Spiel kommen. Isabelle Duthoit hingegen konnte sich mehrmals mit markerschütternden Schreien so eindrucksvoll in Szene setzen, dass man die französische Vokalistin und Klarinettistin gerne öfter in derart Groove-unterfüttertem Kontext hören würde.

Musikalisch keinerlei Missverständnisse gab es erwartungsgemäß beim Projekt von Jupiter & Okwess International aus der Republik Kongo. Der für seine bissigen Texte bekannte Sänger Jupiter Bokondji hielt sich diesmal mit Messages zurück, ließ stattdessen hochpräzisen Afro-Funk von der Bühne branden, um zwischendurch auf seine teils in Ostberlin verbrachte Kindheit zu erinnern: "Mein Deutsch ist kaputt!"

Geradeaus marschierten auch die senegalesischen Musiker von Jeri-Jeri: Zwei Sabars, eine Talking Drum und ein Schlagzeug-Set, dazu Gitarre, sparsames Keyboard und die starke Stimme von Mbene Diatta Seck, das bedeutete urwüchsig kraftvolle, polyrhythmische Mbalax-Energie.

Der Berliner Techno-Produzent Mark Ernestus verzichtete darauf, die Musik wie auf der CD-Einspielung am Mischpult sanft in Richtung Dub zu deuten. Er beließ den wuchtigen Trommel-Patterns ihre rohe Kraft. Die Interaktion zwischen den beiden Welten, die in diesem Projekt kommunizierten, sie vollzog sich hier in weitestgehender Nichteinmischung der europäischen in die afrikanische Sphäre. (Andreas Felber, DER STANDARD, 26./27.7.2014)

Bis 27.7.

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