Lage für Straßenprostituierte kaum besser

25. Juli 2014, 17:23
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Straßenprostitution wurde unsichtbarer - Laut LEFÖ nur noch bis 30 Frauen in erlaubten Straßenzügen tätig

Wien - Das seit 1. November 2011 gültige Wiener Prostitutionsgesetz hat die Lage für die Straßenprostituierten kaum verbessert. "Die Verlagerung in Gewerbe- und Industriegebiete hat nicht zu Beruhigung geführt", so Helga Amesberger vom Institut für Konfliktforschung. "2011 gab es drei erlaubte Straßenzüge, jetzt nur noch die Brunner Straße mit rund 20 bis 30 Frauen", so LEFÖ-Sprecherin Renate Blum.

Die Zahl der Sexarbeiterinnen, die ihre Tätigkeit auf der Straße ausüben, hat sich laut dem Verein LEFÖ, der Beratung für Migrantinnen anbietet und pro Jahr circa 1.700 Kontakte mit Frauen hat, somit seit dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes "rapide reduziert".

"Länderkompetenzen Prostitution"

Wolfgang Langer von der Meldestelle für Prostitutionsangelegenheiten der Wiener Polizei bestätigte diese Wahrnehmung: Der Straßenstrich befindet sich aktuell nur mehr in der Brunner Straße in Liesing sowie in der Einzingergasse/Autokaderstraße in Floridsdorf. An beiden Standorten würden nie mehr als 30 Sexarbeiterinnen stehen. "Vor zwei, drei Jahren waren es noch 200 oder 300 Prostituierte", sagte Langer.

Zwei Ziele hat das Prostitutionsgesetz, so Amesberger, die auch Mitglied der Arbeitsgruppe "Länderkompetenzen Prostitution" ist: Die Verlagerung von Sexarbeit in den Indoor-Bereich und aus den Wohngebieten. "Die Verlagerung zu neuen Standorten führt zu neuen Bürgerprotesten und Polizeiverordnungen. Man darf auch nicht davon ausgehen, dass alle Betroffenen in den Indoorbereich ausgewichen sind - ein Teil arbeitet Camouflage, also nicht mehr durch den Kleidungsstil sichtbar" - insgesamt sei die Straßenprostitution unsichtbarer geworden.

Schärfere Auflagen für Bordelle

Aktuell ist ein neu entstandener, sichtbarer Straßenstrich in Wien-Floridsdorf in der Einzingergasse/Autokaderstraße Thema, zuvor der Bereich Auhof und die Brunner Straße. Dabei war die Zahl von Sexarbeiterinnen in den dafür bekannten Straßen schon vor Inkrafttreten des Gesetzes eher gering. Bis zu 160 Frauen seien es in ganz Wien gewesen, so Amesberger unter Berufung auf eine Evaluierung der Situation durch die Beratungsstelle "Sophie" in Auftrag von Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) zwischen Juni und Oktober 2010.

Einen positiven Aspekt habe das Prostitutionsgesetz, doch dieser beschränkt sich nach Angaben der Sexarbeiterinnen einzig auf die besseren Hygiene- und Sanitärbedingungen, die sich im Zuge des Prostitutionsgesetzes aufgrund der schärferen Auflagen für Bordelle verbessert hätten.

Die vom Flächenwidmungsplan erlaubten Gebiete für Straßenprostitution sind für Blum nicht als Handlungsanleitung zu verstehen und daher nicht maßgeblich. "Sie müssten von politischer Seite als solche anerkannt werden", ansonsten wären Proteste die bekannte Folge.

Massive finanzielle Vorteile

Warum Sexarbeit überhaupt auf der Straße angeboten wird, erklärt sich für die Wissenschafterin Amesberger durch massive finanzielle Vorteile: Während für die Miete in einem Laufhaus monatliche Kosten von 1.000 Euro aufwärts anfallen und bei der Arbeit in einem Bordell 40 bis 50 Prozent der Einnahmen an den Betreiber bezahlten werden müssen, entstehen auf der Straße keine Fixkosten, abgesehen von Kondomen und fallweise einem Taxi. "Die Straße hat selbstbestimmtes Arbeiten erlaubt", argumentierte Blum.

Sind Sexarbeiterinnen verbotenerweise weiterhin in den sogenannten Schutzzonen tätig, dann müssen sie eine gestiegene potenzielle Gefahr, was die Freier betrifft, in Kauf nehmen: "Sie müssen schneller die Bedingungen aushandeln, das erschwert die Anbahnung an sich, aber auch die Einschätzung des Kunden fällt so schwieriger", erläuterte Amesberger die neue Situation. (APA, 25.7.2014)

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