Neue Ärzteausbildung soll Beruf attraktiver machen

25. Juli 2014, 14:30
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Gesundheitsminister einigt sich mit Ärztekammer auf Gesetzesentwurf

Wien - Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hat sich mit der Ärztekammer auf ein neues Modell zur Ärzteausbildung geeinigt. Der Entwurf ging am Freitag in Begutachtung und soll am 1. Jänner 2015 in Kraft treten. Schwerpunkt ist eine neunmonatige Basisausbildung, danach entscheiden sich die Jungmediziner für eine Ausbildung zum Facharzt oder zum Allgemeinmediziner - inklusive Lehrpraxis.

Nach Abschluss des Medizinstudiums sollen alle angehenden Ärzte demnach eine neunmonatige Basisausbildung absolvieren. Dabei sollen sie klinische Grundkompetenzen auf den Fachgebieten Chirurgie und Innere Medizin erwerben. Sie sollen damit befähigt werden, Notfallsituationen zu erkennen, Erstmaßnahmen zu setzen und Patienten mit vorhandenen Möglichkeiten zu versorgen, bis höherwertige Hilfe möglich ist.

15 häufigste Krankheiten erkennen

Außerdem sollen sie dabei lernen, die 15 häufigsten Krankheiten zu diagnostizieren und der weiteren Behandlung zuzuführen (beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionsstörungen, cerebrovasculäre Erkrankungen, Alzheimer/Demenz, Diabetes). Nach dieser Basisausbildung müssen die Jungärzte die Entscheidung treffen, ob sie die Ausbildung zum Facharzt oder zum Allgemeinmediziner machen.

Für den Allgemeinmediziner sind nach der Basisausbildung weitere 27 Monate Ausbildung in einem Spital in verschiedenen Fachrichtungen ähnlich der bisherigen Regelung vorgesehen. Neu ist allerdings, dass danach die Tätigkeit in einer Lehrpraxis für zumindest sechs Monate erfolgt.

Nach sieben Jahren steigt der Umfang auf mindestens neun Monate und nach weiteren fünf Jahren auf zumindest zwölf Monate. Die Gesamtdauer der Ausbildung zum Allgemeinmediziner verlängert sich somit stufenweise auf 45 bzw. 48 Monate. Diese Ausbildung kann in anerkannten Lehrpraxen, Lehrgruppenpraxen oder Lehrambulatorien erfolgen und beträgt höchstens 18 Monate. Der bisherige Turnus geht darin auf.

Bezahlung nach verschiedenen Modellen

Bezahlt wird der Jungmediziner dabei nach verschiedenen Modellen. Einen Teil steuert die öffentlichen Hand bei. Die Fördersumme des Bundes bleibt mit 860.000 Euro gleich, Bundesländer und Sozialversicherung legen je nach Land etwas drauf.

Für den Facharzt sieht das neue Modell nach der Basisausbildung zwei weitere Abschnitte vor. Zunächst soll es eine fachspezifische Grundausbildung im Sonderfach (Sonderfach-Grundausbildung) in der Dauer von zumindest 15 Monaten und anschließend eine Schwerpunktausbildung (Sonderfach-Schwerpunktausbildung) von zumindest 27 Monaten geben. Pro Sonderfach sollen maximal sechs Module zu bestimmten Fachinhalten für die Schwerpunktausbildung zur Wahl stehen. Bisherige Additivfächer sollen entfallen und in die neue Ausbildung integriert werden. Mit diesem Modulsystem für einzelne Erkrankungen will man von der reinen Rotation durch die Abteilungen wegkommen und mehr auf die Qualität der Ausbildung setzen.

Beruf attraktiver machen

Stöger ist überzeugt davon, dass mit dem neuen Modell der Arztberuf, speziell als Hausarzt auf dem Land, für junge Menschen attraktiver wird. Außerdem werde damit die Qualität der Ausbildung wesentlich verbessert, das komme allen Patienten zugute. (APA, 25.7.2014)

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