Analyse: Amazon in den roten Zahlen, Aktie stürzte ab

Analyse25. Juli 2014, 13:42
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Nettoverlust von 126 Mio. Euro im zweiten Quartal - Hohe Investitionen in neue Geschäftsfelder - Umsatz gestiegen

Smartphones, Tablets, Videospiele, TV-Serien: Die hohen Investitionen zur Expansion in immer neue Geschäftsfelder drücken Amazon in die Verlustzone. Der US-Konzern stellt sich damit zwar so breit auf wie sonst kaum ein Konkurrent und ist auch dadurch in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Mittlerweile werden die Eigentümer aber nervös.

Weil auch die Aussichten für die nächsten Monate wenig rosig sind, stürzte die Amazon-Aktie nach der Vorlage der Quartalsbilanz am Donnerstagabend um zehn Prozent ab.

Von April bis Juni machte der Internet-Händler aus Seattle einen Nettoverlust von 126 Mio. Dollar (93,5 Mio. Euro) - fast doppelt so viel wie von Analysten erwartet. Vor einem Jahr lag das Minus bei 7 Mio. Euro. Amazon-Finanzchef Tom Szkutak sagte, die hohen Ausgaben wirkten sich kurzfristig weiter negativ auf die Bilanz aus. Zuletzt sei vor allem deutlich mehr Geld in Inhalte - etwa die Produktion von Videos, Shows und Serien - geflossen. Langfristig werde sich dies rechnen. Im laufenden Quartal erwartet Szkutak aber einen operativen Verlust zwischen 410 und 810 Mio. Dollar. Im dritten Quartal 2013 hatte das Minus lediglich 25 Mio. Dollar betragen.

Starke Konkurrenz

Mit den neuen Produkten konkurriert Amazon unter anderem mit dem iPhone-Hersteller Apple, dem Internet-Riesen Google wie auch dem Video-Portal Netflix. Viel Geld leitet Amazon auch nach China, wo der Konzern Alibaba den riesigen Markt des Internet-Handels beherrscht. Die Chinesen planen gerade in New York einen Börsengang - es könnte der größte in der Technologiebranche überhaupt werden. Mit dem frischen Geld könnte Alibaba - an dem Yahoo beteiligt ist - Amazon und eBay in den USA angreifen.

Wie in den vergangenen Quartalen auch, stieg der Umsatz von Amazon deutlich - im Frühjahr um 23 Prozent auf rund 19,34 Mrd. Dollar. Das reicht den Anlegern aber nicht mehr. Obwohl die US-Börsen in diesem Jahr von Rekord zu Rekord eilen, hatte die Amazon-Aktie schon vor den neuesten Zahlen seit Jänner um zehn Prozent nachgegeben.

Wachstum statt Gewinn

In der Vergangenheit waren die Anleger grundsätzlich einverstanden mit der Strategie des Firmengründers. Sie honorierten niedrige Gewinne und auch rote Zahlen mit weiteren Kurssteigerungen. Doch die kritischen Stimmen mehren sich. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie schon vor den jüngsten Zahlen ein Zehntel ihres Werts verloren. Die Aussicht auf einen noch größeren Verlust im kommenden Quartal ließ die Investoren nun flüchten.

Kritik muss sich Amazon auch aus anderen Ecken gefallen lassen: Gewerkschafter kritisieren die Arbeitsbedingungen, und einzelne Buchverlage beklagen eine Gängelung durch den Versandriesen: Während Verhandlungen waren ihre Buchtitel plötzlich schwer zu bestellen. Jüngst hatte Amazon in den USA sogar eine E-Book-Flatrate eingeführt, bei der Kunden für knapp zehn Dollar im Monat Zugang zu 600.000 Titeln bekommen.

Fire Phone

Auch für das laufende Quartal peilt Amazon ein kräftiges Umsatzplus zwischen 15 bis 26 Prozent an. Um das stemmen zu können, eröffnet der Konzern reihenweise neue Versandzentren oder entwickelt neue Produkte wie das eigene Smartphone Fire Phone. In ausgesuchten US-Städten liefert Amazon mittlerweile sogar Lebensmittel aus. Die Zahl der Mitarbeiter stieg bis Ende Juni auf 132.600 an, um 35.600 mehr als vor einem Jahr.

Amazon gibt Anlegern insgesamt aber wenig Informationen über die Entwicklung einzelnen Geschäftsbereiche. So veröffentlichte das Unternehmen noch nie Absatzzahlen seiner Geräte wie der Kindle-Tablets. Bei der eigenen Technik gab Bezos stets die Devise aus, man wolle sie Verbrauchern möglichst günstig anbieten und dann das Geld über den Verkauf von Diensten und Artikeln verdienen. Bei jüngsten Geräten wie der Fernsehbox Fire TV und dem Smartphone waren die Preise aber bereits vergleichbar mit denen der Konkurrenz.

Unklar ist auch, wie die Zahlen im Geschäft mit Cloud-Infrastruktur aussehen, in dem in den vergangenen Monaten ein Preiskampf ausgebrochen ist. Amazon ist ein führender Anbieter in dem Bereich und wird von vielen Firmen als technische Basis genutzt. (APA/Reuters, derStandard.at, 25.7.2014)

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Amazon

  • Amazons Zahlen schrecken die Eigentümer
    foto: apa/epa/zucchi

    Amazons Zahlen schrecken die Eigentümer

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