USA bremsen Weltwirtschaft aus

24. Juli 2014, 18:01
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Das globale Wachstum fällt 2014 um 0,3 Prozentpunkte langsamer aus als erwartet, warnen die Ökonomen des IWF

Washington/Wien - Die Weltwirtschaft laboriert an einem kleinen Schwächeanfall. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat am Donnerstag seine Prognose für das globale Wachstum um 0,3 Prozentpunkte gesenkt. Die Weltwirtschaft wird demnach nur um 3,4 Prozent dieses Jahr wachsen. Die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, sind für die jüngste Schwäche verantwortlich.

Im ersten Quartal hat der extrem kalte Winter die US-Wirtschaft schrumpfen lassen. Dass die USA jetzt mit nur 1,7 Prozent wachsen werden (statt mit 2,8 Prozent wie noch zu Jahresbeginn geschätzt), hat laut IWF-Chefökonom Olivier Blanchard vor allem mit dem Wetter zu tun. "Den Rest des Jahres wird die US-Wirtschaft mit 3,25 Prozent wachsen." Daher ist der Ausblick trotz der Wachstumsreduktion für 2014 gar nicht so viel schlechter. So gab es etwa in Spanien oder Deutschland positive Überraschungen seit der Schätzung im April.

Schwache Entwicklung in Europa

Europa entwickle sich aber insgesamt relativ schwach, 2014 wird es nur 1,1 Prozent Wachstum geben, die Arbeitslosigkeit wird daher hoch bleiben. Daher fordert der IWF weiterhin eine aktive Wirtschaftspolitik, um das Wachstum und die Inflation anzukurbeln. "Politiken, um die Nachfrage zu stimulieren, sind von äußerster Wichtigkeit", so Blanchard. Der IWF hat dabei wieder einmal seine Forderung an die Europäische Zentralbank adressiert: Wenn die Inflation bald nicht in Richtung der Zwei-Prozent-Marke steigt, müsse die EZB weitere Maßnahmen setzen.

In die entgegengesetzte Richtung geht es hingegen in den USA. Trotz des niedrigeren Wachstums rechnet der IWF dort mit einer etwas schnelleren Normalisierung der Geldpolitik, also steigenden Zinsen von der Notenbank Fed. Für den IWF verursacht die Geldpolitik damit auch Probleme: "Die Normalisierung der US-Geldpolitik wird bedeuten, dass Kapital, das auf der Suche nach höheren Renditen in die Schwellenländer geflossen ist, wieder nach Hause zurückkehren wird", warnt Blanchard. Das könnte auch die wirtschaftliche Situation in den Schwellenländern beeinträchtigen. Steigende langfristige Zinsen könnten daher weltweit die Wachstumsdynamik dämpfen.

Russland knapp an Rezession

Die Unsicherheiten sind daher vor allem für die Schwellenländer groß. In China etwa versucht die Führung aktuell gegen einen zu rapiden Rückgang des Wachstums vorzugehen. So wurden staatliche Investitionen in die Infrastruktur oder den Wohnbau forciert. "Die Herausforderung bleibt, das Wachstum auszubalancieren", warnt der IWF.

Eine drastische Wachstumsreduktion hat der Währungsfonds auch für Russland vorgenommen. Die geopolitische Krise habe zu einem Stillstand bei den Investitionen geführt. Statt 1,3 Prozent Wachstum werde es daher in diesem Jahr nur 0,2 Prozent Expansion geben, knapp an der Rezession. Doch selbst diese Prognose könnte zu hoch gegriffen sein, wenn sich die Krise zwischen Russland und der Ukraine verschärft. In jedem Fall wird Russland den Konflikt wirtschaftlich noch länger spüren. Im kommenden Jahr rechnet der Fonds mit einem Prozent Wachstum. Im April hatte er 2,3 Prozent veranschlagt. (sulu, DER STANDARD, 25.7.2014)

  • Europas Wachstum entwickelt sich schwach.
    foto: apa

    Europas Wachstum entwickelt sich schwach.

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