Mexikaner machen Tempo bei Telekom

24. Juli 2014, 17:47
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Obwohl die Nachfrist für das Pflichtangebot noch läuft, sollen die Aktionäre Mitte August einer Kapitalerhöhung zustimmen

Wien - Die Großaktionäre América Móvil (Amov, 51 Prozent) und ÖIAG (28,4 Prozent) lassen bei der Telekom Austria nichts anbrennen. Am 14. August - das ist der frühestmögliche Termin nach Erlangung der Mehrheit im Zuge des Amov-Pflichtangebots - soll eine außerordentliche Hauptversammlung beschließen, das Grundkapital binnen fünf Jahren um bis zu 221.500 Aktien zu erhöhen. In Tranchen kann die TA damit netto bis zu einer Milliarde Euro lukrieren. Fast ein Jahr, nachdem die TA-Führung rund um General Hannes Ametsreiter erstmals Bedarf nach frischem Geld angemeldet hat, bekommt sie ihre Kapitalspritze.

Wann die erste Tranche gezogen werden soll, darüber schwieg sich die TA in ihrer Pflichtmitteilung am Mittwochabend aus. Gut möglich, dass dies bereits innerhalb der dreimonatigen Nachfrist zum Pflichtangebot erfolgt, in der Amov noch weitere TA-Aktien angedient werden. Dann blieben im Streubesitz an der Wiener Börse lediglich bis zu 30 Prozent übrig. Vom Indexschwergewicht wäre dann nicht mehr viel übrig.

Eilig

Eilig haben es ÖIAG und Amov auch bei der Umgestaltung des Aufsichtsrats gemäß Aktienanteil. Hier hat - gemäß des vielkritisierten Syndikatsvertrags - künftig ausschließlich der Großaktionär aus Mexiko das Sagen. Die aus dem Dunstkreis der ÖIAG entsandte "Jagd- und Autogesellschaft" wird zu einem "Rauchsalon", wie es ein Aufsichtsratsmitglied launig formuliert. Offiziell werden alle Kontrollore von der ÖIAG nominiert, bis auf einen auf sind aber alle im Amov-Einflussbereich. Zwei Nominierte sind beim Tabakkonzern Philip Morris tätig: Stefan Pinter und Reinhard Kraxner. Bei den Mandaten der ÖIAG geht ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, dem laut Syndikatsvertrag der Aufsichtsratsvorsitz sicher ist, auf Nummer sicher: Er holt den hauseigenen Privatisierungs- und Beteiligungsmanager, Günter Leonhartsberger, ins Kontrollgremium.

Mit Carlos José García Moreno Elizondo, Alejandro Cantu Jimenez, Carlos M. Jarque, Oscar Von Hauske Solis, Ronny Pecik und Elisabetta Castiglioni ist der neue Telekom-Aufsichtsrat komplett

Dem Geist des Syndikatsvertrags entspricht weiters, dass TA-Chef Ametsreiter sein Dirimierungsrecht verliert. Apropos: Ein solches gibt es nur mehr im Syndikatsausschuss, das zwecks Abstimmung jeweils vor den Aufsichtsratssitzungen tagt. Theoretisch könnte es in dem vierköpfigen Gremium schließlich zu einem Patt von 2:2 kommen.

Vergleiche mit Ex-Vorständen

Beschließen sollen die Aktionäre weiters Vergleiche mit ihren in Kursmanipulation und Korruption verstrickte (nicht rechtskräftig verurteilte) Ex-Vorstandsmitglieder Rudolf Fischer und Stefano Colombo (Finanzen). Fischer verpflichtet sich zusätzlich zu bereits bezahlten 500.000 Euro Schadenersatz weitere zwei Millionen Euro zu zahlen, erschließt sich aus dem Antrag an die Aktionärsversammlung. 1,25 Millionen Euro zahlt Fischer "sogleich", 750.000 Euro "binnen vier Wochen ab Vergleichsabschluss".

So weit ist man mit Ex-Finanzchef Colombo noch nicht. Er soll zu den bereits gezahlten 196.000 Euro weitere 3,13 Millionen Euro entrichten. Da der Vergleich, den die TA ungeachtet allfälliger strafrechtlicher Verurteilungen in allfällig anstehenden Verfahren anstrebt, noch nicht unterschriftsreif ist, holt sich der Vorstand von den Eigentümern eine Ermächtigung zum Abschluss eines Vergleichs. (ung, DER STANDARD, 25.7.2014)

  • Kaufen sich von allfälligen Schadenersatzforderungen der Telekom Austria frei: Die Ex-Vorstände Rudolf Fischer (rechts) und Stefano Colombo.
    foto: apa/fohringer

    Kaufen sich von allfälligen Schadenersatzforderungen der Telekom Austria frei: Die Ex-Vorstände Rudolf Fischer (rechts) und Stefano Colombo.

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