Warum Buk-Raketen so gefährlich für zivile Flugzeuge sind

24. Juli 2014, 16:26
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Abschussfahrzeug ist zur Unterscheidung von Freund und Feind auf Feuerleitstelle angewiesen

Das in der Sowjetunion entwickelte Luftabwehrsystem Buk-M1 (NATO-Codename SA-11 "Gadfly") ist der Nachfolger des Raketensystems 2k12-Kub (NATO-Code SA-6 "Gainful"), das 1973 im Yom-Kippur-Krieg zwischen Israel und Ägypten auf ägyptischer Seite im Einsatz war. Damals gelang es damit, mehrere israelische Flugzeuge abzuschießen.

Im Libanon-Krieg 1982 wandte die israelische Luftwaffe eine neue Taktik an: Vor einem Angriff warfen die Flugzeuge Täuschkörper ab, die das Zielerfassungsradar nicht von einem Kampfjet unterscheiden kann. Da das Kub-System nur jeweils ein Ziel bekämpfen kann, waren die Angreifer praktisch unverwundbar, weil die Abwehr sich auf die Attrappe konzentrierte.

Außerdem waren mittlerweile Anti-Radar-Raketen wie die amerikanische AGM-45 verfügbar, die die Steuereinheit ausschalten, wodurch das Luftabwehrsystem "blind" ist.

Diese Schwachstellen wurden beim Nachfolgemodell behoben: Das Radar des Feuerleitfahrzeugs 9S18M-Phazotron (NATO-Code "Snow Drift") kann mehrere Luftziele verfolgen, die dann je einem Abschussfahrzeug zugewiesen werden. Dieses verfügt über ein eigenes Radar, mit dem es das Ziel erfasst und anschließend bekämpft.

Nur ein Freund/Feind-System

Über ein System zur Unterscheidung freundlicher und feindlicher Flugzeuge verfügt allerdings nur die Feuerleitzentrale. Da diese im Regelfall die Ziele an die einzelnen Abschussanlagen verteilt, sollten Abschüsse ziviler Flugzeuge eigentlich nicht vorkommen.

Freund/Feind-Systeme funktionieren über verschlüsselte Kommunikation zwischen Bodenradar und Flugzeug. Falls dies nicht funktioniert oder der Verdacht auf Manipulation besteht, kann die Bodenstation aus der Radarreflexion des Ziels Rückschlüsse auf den Flugzeugtyp ziehen.

Wie diese als "Non-cooperative Target Recognition" (NCTR) bezeichneten Systeme funktionieren, ist ein strenggehütetes Geheimnis. Bekannt ist, dass zur Unterscheidung von Flugzeugtypen das Radarecho sich bewegender Teile wie Propeller, Hubschrauberrotoren oder Schaufelblätter von Strahltriebwerken verwendet wird.

Falls die Leitstelle durch Defekt oder Beschuss ausfallen sollte, können die einzelnen Abschussanlagen auch autonom Ziele bekämpfen, indem ihr Radar Ziele in Reichweite anzeigt und die Bedienungsmannschaft eines auswählt und die Rakete darauf abfeuert.

Über das aufwendige Freund/Feind-Unterscheidungssystem oder NCTR-Anlagen verfügt das Buk-Abschussfahrzeug allerdings nicht. Dieser Mangel könnte der Boeing 777 der Malaysia Airlines zum Verhängnis geworden sein. (red, derStrandard.at, 24.7.2014)

  • Das Flugabwehrsystem Buk bei einer Übung der ukrainischen Streitkräfte auf der Krim, Oktober 1999.
    foto: reuters/gleb garanich

    Das Flugabwehrsystem Buk bei einer Übung der ukrainischen Streitkräfte auf der Krim, Oktober 1999.

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