Handel: Weniger Fläche, weniger Geschäfte

24. Juli 2014, 13:42
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Erstmals ging die Verkaufsfläche im heimischen Handel zurück. Umsatzmäßig gab es im ersten Halbjahr ein Plus

Wien – Der Handel befindet sich im Umbruch. Jüngsten Erhebungen zufolge sind zwischen erstem Quartal 2013 und erstem Quartal 2014 die Verkaufsflächen zurückgegangen. Ein Novum, wie Rene Tritscher von der Bundessparte Handel am Donnerstag erklärt. Erstmals seien die Flächen im stationären Handel um ein Prozent auf 14,3 Millionen Quadratmeter zurückgegangen. Außerdem gab es um zwei Prozent weniger Geschäfte als im Vorjahreszeitraum.

Bei der WKO ist man sich nicht ganz sicher, ob das schon eine Trendwende ist oder doch nur eine Kurskorrektur. In den beobachteten Zeitraum fallen die Pleiten von Dayli und Niedermeyer – beide schlossen zahlreiche Filialen. Vor allem im Bereich Parfümerie/Kosmetik und Fotofachhandel seien große Rückgänge zu beobachten, so Tritscher. Erst in den kommenden Jahren werde man nun sehen, ob es weiter Richtung weniger Verkaufsfläche und wenige Geschäfte geht.

Rasante Bereinigung

Die Standortexperten von Regioplan sind schon einen Schritt weiter und gehen davon aus, dass man sich hier am Anfang einer Entwicklung befindet. Schon im Herbst 2013 verzeichneten sie einen Rückgang der Verkaufsflächen im stationären Handel. "Die Bereinigung passiert wegen des Internets im Zeitraffer", sagt Hanna Bomba, Geschäftsführerin von Regioplan. Dadurch gingen Veränderungen und Entwicklungen viel rasanter vor sich. Der Trend zu weniger Fläche sei ein anhaltender.

Die Quadratmeterumsätze gehen weiter nach unten, viele Händler machten Umsätze auch online, so Bomba. Deswegen würden manche ihre Geschäfte in Zukunft verkleinern, andere gezielt ausweiten oder die Flächen alternativ nutzen, zum Beispiel mit Shop-in-Shop-Konzepten.

Strukturwandel

Die verstärkte Konkurrenz durch Online-Händler bekommen die Einzelhändler immer mehr zu spüren. Auch wenn der Online-Umsatz in Österreich derzeit nur sechs Prozent am Gesamtumsatz ausmacht, der Trend zum Online-Handel wird so schnell wohl nicht verschwinden. Zwischen 2006 und 2013 schlossen rund 6.000 Geschäfte, dafür eröffneten rund 4.300 Online-Shops. Viele Händler setzen auf "Multi-Channel-Strategien", also neben dem Geschäft auch online zu verkaufen, um so beim Verkauf im Netz aber nicht durch die Finger zu schauen.

Im ersten Halbjahr 2014 konnte der heimische Handel jedenfalls ein nominelles Umsatzplus verzeichnen, real bleibt mit netto 26,5 Milliarden Euro eine schwarze Null übrig. Besonders gut geht es dabei - wie schon seit längerem zu beobachten ist – dem Handel mit kosmetischen Gütern und dem Schuhhandel. Weniger gut lief das Geschäft mit Sportartikeln und Lederwaren. (roda, derStandard.at, 24.7.2014)

  • Im ersten Halbjahr konnte der Handel beim Umsatz zulegen.
    foto: reuters

    Im ersten Halbjahr konnte der Handel beim Umsatz zulegen.

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