Per Herzproblem in Liechtenstein-Troubles

24. Juli 2014, 05:30
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Makler Ernst Karl Plech will seine Familie aus Krankheitsgründen bei Konto "Karin" involviert haben, Meischberger soll Konto treuhändig eröffnet haben

Wien - Liechtenstein spielt in der Causa Buwog, in der es um die Provisionen aus der Privatisierung der Wohnbaugenossenschaft in der Ära Finanzminister Karl-Heinz Grasser geht, eine tragende Rolle. Die Staatsanwaltschaft erhebt den Vorwurf, das Geld (9,6 Millionen Euro) sei auf Konten der Hypo Liechtenstein gelandet, die Grasser, dem Lobbyisten Walter Meischberger und dem Makler Ernst Karl Plech zuzurechnen seien. Die bestreiten die Vorwürfe.

Plech (seine Frau heißt Karina) wird Konto "Karin" zugeordnet, in seinen Einvernahmen nahm das Thema viel Raum ein. Laut Plech hat er das Konto im Oktober 2005 treuhändig für Meischberger eröffnet, es sei für Immobilieninvestitionen vorgesehen gewesen. Mit diesem Zweck lasse sich auch Meischbergers Namenswahl für das diskrete Konto erklären. Meischberger habe es nach einer gemeinsamen Bekannten, Karin Landauer, benannt.

Er habe ihm damals erklärt, er erwarte eine Provisionszahlung von zwei bis 2,5 Millionen Euro, das Geld habe er, Plech, für seinen Freund "in Immobilien-Objekte investieren sollen".

Dass es um die Provision aus dem Buwog-Deal gegangen sei, habe er erst später erfahren; ebenso, dass aus den 2,5 Millionen Euro mehr wurde. Wie viel - das habe er erst 2009 aus den Medien erfahren: "Ich war entsetzt."

Warum er eine Bank in Liechtenstein ausgesucht hat, erklärte Plech so: Er habe eine "alte Geschäftsbeziehung" zur Hypo Vorarlberg gehabt und Meischberger "wollte nicht, dass die Sache (das Provisionsgeschäft, Anm.) wegen eines Kontos in Österreich möglicherweise medial bekannt wird."

Nicht immer diskret

Aus Diskretionsgründen sei dann auch er Zeichnungsberechtiger auf dem Treuhandkonto gewesen, "Meischberger wollte auf diesem Konto nicht aufscheinen". Allerdings hatte Meischberger bei derselben Bank andere Konten sehr wohl auf seinen Namen eröffnet. Wie er diesen Widerspruch erkläre, fragten ihn die Ermittler. Antwort darauf hatte Plech nicht, er habe von diesen anderen Konten Meischbergers in Liechtenstein "erst später" erfahren.

Was Staatsanwalt und Ermittler in Bezug auf die Zurechenbarkeit von Konto Karin zudem skeptisch macht, ist die Tatsache, dass neben Plech selbst auch seine Frau und sein Sohn zeichnungsberechtigt sind. Dabei hat das gesundheitliche Gründe.

Zur Zeit der Kontoeröffnung, sagte Plech bei einer Beschuldigteneinvernahmen 2010 aus, "hatte ich Probleme mit meinem Herzen". Da Meischberger seine Provision ja erst im Frühjahr 2006 erwartet habe, "wollte ich, dass, wenn mir etwas passiert, wenigstens meine Frau auf gegenständlichem Konto abheben kann". Gesagt, getan, im Dezember 2005 habe sie die nötigen Dokumente unterschrieben. Und zwar in Wien - dank serviceorientiertem Hausbesuch des Bankers aus Liechtenstein in Plechs Büro. Mit Meischberger sei das so ausgemacht gewesen, wegen "meiner Herzprobleme und Angst vor dem Tod", wie Plech wiederholte.

Rund eineinhalb Jahre später wurde der Radius der medizinisch bedingten Absicherung für das Treuhandkonto erweitert. Am 10. April 2007 bekam Plechs Sohn die Zeichnungsberechtigung für Konto Karin. Plech: "Ich hatte nämlich zu diesem Zeitpunkt wieder Herzprobleme". Folgt man Plechs Argumentation, war seine Frau mitgefährdet. "Weil ich mit meiner Gattin ziemlich viel unterwegs bin, auch im Flugzeug", sei sein Sohn "als Absicherung für mich" genommen worden,

Bei aller Absicherung, auf einen schriftlichen Treuhandvertrag haben die Geschäftsfreunde Plech und Meischberger verzichtet. Warum? Weil Meischberger "das nicht wollte, weil ... schriftliche Verträge entdeckt werden können". Da man einander aber schon seit 25 Jahren kenne, bestehe "ein absolutes Vertrauensverhältnis, es ist nicht notwendig, in diesem Fall einen schriftlichen Treuhandvertrag abzuschließen". (Renate Graber, DER STANDARD, 24.7.2014)

  • Der beschuldigte Makler Plech argumentiert medizinisch.
    foto: reuters/bader

    Der beschuldigte Makler Plech argumentiert medizinisch.

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