Nigeria: 82 Tote bei Bombenanschlägen

23. Juli 2014, 17:28
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Sprengsätze detonierten neben dem Fahrzeugkonvoi des Boko-Haram-kritischen Imams Bauchi

Abuja - Bei zwei Bombenanschlägen im Norden Nigerias sind am Mittwoch insgesamt 82 Menschen getötet worden. Das erste Attentat in der Stadt Kaduna habe einem muslimischen Würdenträger gegolten, der als moderat gilt. Bei der Explosion sollen 32 Menschen ums Leben gekommen sein.

Der in einem Auto versteckte Sprengsatz detonierte, als ein Konvoi mit dem bekannten islamischen Geistlichen Sheikh Dahiru Bauchi vorbeifuhr, berichtete die Zeitung "Premium Times" online. Bauchi überlebte den Anschlag laut Augenzeugen unverletzt.

Bauchi hat wiederholt die islamistische Terrorgruppe Boko Haram kritisiert. Bereits im Juni hatte es direkt vor seinem Haus eine Explosion gegeben, bei der eine Person verletzt wurde.

Zweite Explosion

Das zweite Attentat wurde wenig später ebenfalls in Kaduna verübt. Eine Bombe explodierte nach Polizeiangaben auf einem belebten Markt, nur wenige Kilometer vom ersten Anschlagsort entfernt. Nach Angaben eines lokalen Mitarbeiters des Roten Kreuzes kamen dabei 50 Menschen ums Leben. Die Polizei konnte zunächst keine Angaben über Opfer machen.

Im Bundesstaat Kaduna, wo viele Christen leben, hatte es in der Vergangenheit mehrere Anschläge gegeben, die Boko Haram zugeschrieben werden. 2012 bekannten sich die Islamisten zu drei Selbstmordanschlägen auf Kirchen in dem Bundesstaat, die zu Ausschreitungen mit hunderten Toten führten.

Boko Haram bezeichnet sich selbst als "nigerianische Taliban" und fordert die Einführung der Scharia, der islamischen Rechtsordnung, im gesamten Land. In zwölf der insgesamt 36 Teilstaaten des westafrikanischen Staates herrscht bereits die Scharia - vor allem im muslimisch geprägten Norden (im Gegensatz zum christlichen Süden). Die Rechtsprechung sieht zum Teil drakonische Strafen, wie etwa die Steinigung für Ehebrecher, vor. In neun Teilstaaten ist die Scharia seit Ende der 1990er gänzlich in Kraft, in drei nur in Gebieten, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt sind.

Die Attentate der sektenähnlichen Gruppe richten sich sowohl gegen staatliche und christliche Einrichtungen, aber immer wieder auch gegen moderate Muslime. Übersetzt heißt "Boko" (Hausa) wörtlich "Buch" und steht für Wissen und Bildung im westlichen Sinn, und "Haram" (Arabisch) für alles "Unislamische" und Verbotene.

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