25 Jahre TDI: Da würde der Rudolf schauen

23. Juli 2014, 17:37
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Doppelte Leistung, aber 98 Prozent weniger Emissionen. Das ist die Bilanz von 25 Jahren TDI. Rudolf Diesel würde staunen. Was kommt, verriet Audi: 48 Volt zum Beispiel

Lahme Kiste. Stinker. Rußer. Nagler. Das waren Attribute, mit denen man den Diesel im Pkw noch vor einem Vierteljahrhundert bedachte. Wenig schmeichelhaft, aber wahr. Dann trat Audi, trat der VW-Konzern an, schuf eines der bekanntesten Akronyme der Autowelt, TDI, und alles wurde anders. Weil man Feste am besten feiert, wie sie fallen, lud Audi zu einem TDI-Workshop nach Kopenhagen und Südschweden, das Rückblick, Innehalten und Ausblick beinhaltete.

Was also geschah bisher, in den ersten 25 Jahren? IAA Frankfurt, 1989. Präsentation Audi 100 2,5 TDI. 120 PS und 265 Nm Drehmoment. Erster Großseriendiesel mit Direkteinspritzung.

Der Weg bis heute ist mit technischen Meilensteinen gepflastert, am eindrucksvollsten ist aber die Bilanz dieser 25 Jahre. Da hat sich die Leistung der Aggregate mit rund 130 Prozent mehr als verdoppelt, gleichzeitig verringerten sich die Emissionen um sagenhafte 98 Prozent, und das ist noch lange nicht das Ende des technisch Darstellbaren.

Nageln war einmal

Was da alles auf uns zukommt, das taten die Ingolstädter auf dem Sturup Raceway nahe der wundervollen alten Bischofs- und Universitätsstadt Lund kund. Wir blicken ein zweites Mal hin: Audi RS 5 TDI concept. Richtig gelesen. RS und Diesel. Ein Ausschließungsgrund.

Bald nicht mehr. Denn was für ein Antritt, ganz ohne Turboloch, und was für ein Sound! Wir haken "lahme Kiste" endgültig ab, olfaktorische, optische und Partikelschadstoffbelästigung ist ohnehin längst passé, und nageln gerät dank multipler Einspritzvorgänge auch mehr und in Vergessenheit, jedenfalls bei Audi, und schon gar bei dem hier.

48-Volt-Bordnetz

Auf den ersten Metern verstaubt der sogar den RS 6 Avant, wie sich auf der schwedischen Rennstrecke eindrucksvoll zeigte, und dazu die nackerten Fakten: 385 PS und 750 Nm leistet der 3,0 TDI V6 Biturbo, völlig ohne Turboloch serviert. Weil, damit willkommen in der Dieselzukunft, ein elektrischer Verdichter beim Anfahren Moment aufbaut und die zwei Turbolader (ein kleiner, ein großer) bei der Arbeit unterstützt.

Die Technik ist bereits 2015 einsatzbereit, wo genau, verrät der Hersteller noch nicht. Die begleitende Revolution heißt 48-Volt-Bordnetz, mit dem sich Audi beim klassischen Verbrennungsmotor sukzessive vom 12-V-Standard verabschiedet. Im teilelektrisierten Bereich wird's heuer auch noch hochspannend, es kommt nämlich ein Diesel-Plug-in-Hybrid-Audi. Man sieht: Die zweiten 25 Jahre TDI lassen sich gut an. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, 18.7.2014)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Der Audi 100 2,5 TDI von 1989. Erster seiner Art.
    foto: audi

    Der Audi 100 2,5 TDI von 1989. Erster seiner Art.

  • Der Direkteinspritzer lief mit aus heutiger Sicht schwächlichen 120 PS auf. Ein BMW 5er Turbodiesel hatte sogar fünf PS weniger. Doch damals reichte das für Mittelklasse.
    foto: audi

    Der Direkteinspritzer lief mit aus heutiger Sicht schwächlichen 120 PS auf. Ein BMW 5er Turbodiesel hatte sogar fünf PS weniger. Doch damals reichte das für Mittelklasse.

  • 25 Jahre später dieselt der RS5 TDI mit 385 PS.
    foto: audi

    25 Jahre später dieselt der RS5 TDI mit 385 PS.

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