"Risen 3" in der Vorschau: Neuer Held, alte Stärken

Ansichtssache26. Juli 2014, 12:00
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Diesen Sommer findet die "Risen"-Trilogie ihren Abschluss. Sich bekriegende Titanen und ausbreitende dunkle Mächte bedrohen nach wie vor die Welt. Retten muss sie in dem Action-Rollenspiel ein nagelneuer und traditionell namenloser Heroe.

Der frische Protagonist lässt den Entwicklern von Piranha Bytes mehr Raum bei der Entwicklung der Story und der Wahl des Settings. Die deutsche Spieleschmiede kehrt sowohl in diesen wie auch in spielerischen Belangen nun zurück zu den Wurzeln des spirituellen "Gothic"-Nachfolgers.

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Den Ausgangspunkt der Heldwerdung in "Risen 3: Titan Lords" bildet die tödliche Konfrontation des Spielers mit einem Schattenlord. Zwar gelingt die Wiederbelebung des Alter Ego, doch fehlt ihm nun ein Teil seiner Seele. Diese gilt es, neben der Rettung der Welt, zurückzugewinnen.

Die Handlung ist dabei weiter nordwärts angesiedelt und führt den Spieler weg vom karibischen Terrain des Vorgängers, zurück in gemäßigtere Gebiete. Die vormals omnipräsente Piratenschar rückt damit wieder in den Hintergrund.

Die Entscheidung habe man auch gefällt, hört man von Vertretern des Publishers Koch Media, weil die "Risen"-Community sich von Sandstrand, Palmen und Piraten wenig angetan zeigte.

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Zu sehen gibt es also wieder mehr aus gemäßigten Klimazonen, Berglandschaften und mediterranen Breiten. Daneben winken auch Ausflüge ins Schattenland, in das der Spieler als Teilzeit-Seelenloser immer wieder einen unfreiwilligen Blick erheischt. Dort trifft man unter anderem auch Gefallene, wie Bösewicht Mendoza aus dem ersten "Risen"-Teil.

Ein Spiel im "Gothic"-Stil wäre aber freilich nicht denkbar, ohne rivalisierenden Fraktionen. Zur aus "Risen 2" bekannten Inquisition gesellen sich die aus der Versenkung zurückgekehrten Dämonenjäger und die nunmehr mit den Gnomen verbündete Zauberergilde, die sich immer noch intensiv mit Kristallmagie befasst. Nach einer kurzen Einführungsphase wird der Spieler frei entscheiden können, mit welcher Partei er sich näher einlässt und ob er gar einer beitritt.

Je nach Wahl gibt es in Folge unterschiedliche Fähigkeiten zu erlernen und Gegenstände zu sammeln. Das Spiel soll aber auch ohne Fraktionszugehörigkeit absolvierbar sein.

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Mehr bemühen will sich Piranha Bytes auch um zusätzliche Lösungsmöglichkeiten für Quests - ebenfalls schon lange ein Merkmal von "Gothic" und "Risen". Wer von einer Wache am Gespräch mit einer einflussreichen Person gehindert wird, kann etwa ganz konventionell solange an seinem Ansehen arbeiten, bis er vorgelassen wird, oder nach alternativen Zutrittsmöglichkeiten suchen - etwa durch die Verwandlung in ein Tier oder eine Hintertür.

Ebenfalls nicht neu, aber von den Fans geschätzt, sind die rauhen Sitten der "Risen"-Welt. Held und Computercharaktere schimpfen munter vor sich hin, und wer sich daneben benimmt, in dem er etwa ungefragt Privaträumlichkeiten betritt oder fremdes Eigentum entwendet, kassiert neben einem Ansehensabzug auch Prügel.

Die Umgebung, die nun aus weitläufigeren, zusammenhängenden Gebieten besteht, ist vom Start weg frei erkundbar. Wer gerade nicht der Hauptquest folgen mag, kann abseits ausgetretener Pfade nach neuen Abenteuern und Schätzen suchen. Dabei gilt es allerdings auch, Risiko auf sich zu nehmen. In "Risen 3" leveln Gegner nicht mit, wer sich zu früh mit dem falschen Monster anlegt, hat schlechte Karten.

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In Bewegung hinterließ "Risen 3" bei der rund einstündigen Vorstellung einen guten, wenn auch nicht perfekten Eindruck. Piranha Bytes greifen nach wie vor auf die Grafikengine zurück, die im Kern schon in "Gothic 3" (2006) zum Einsatz gekommen ist. Diese wurde im Laufe der Jahre immer weiter aufpoliert, trotzdem merkt man dem Spiel schnell an, dass es grafisch nicht mehr "State-of-the-Art" ist.

Die Stärken der Engine liegen auf der Abbildung von Landschaften, die hübschen Abwechslungsreichtum bieten. Wer genau hinsieht, erkennt besonders nahe am Geschehen jedoch, dass die Qualität vieler Texturen nicht mehr an das heranreicht, was andere aktuelle Games bieten. Auch an manchen hakeligen Animationen und fallweisen KI-Aussetzern sollte noch gearbeitet werden. Ein Patch am oder nahe dem Releasetag erscheint nicht ganz unwahrscheinlich, wobei "Risen 3" aber insgesamt einen sehr ausgereiften Eindruck machte.

Die alte Engine hat allerdings auch Vorteile. Wer das Spiel in bester Qualität genießen möchte, wird keinen High-end-Rechner benötigen. Und auch Besitzer etwas älterer Gaming-PCs werden sich ohne all zu großer Einbussen auf Seelenjagd begeben können.

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Summa summarum dürfen sich Freunde der alten "Gothic"-Teile und des ersten "Risen" auf "Titan Lords" freuen. Piranha Bytes besinnt sich seiner Stärken und richtet sich an Traditionalisten, die ob der nicht mehr ganz frischen Grafik ein Auge zudrücken können und keine mutigen, wie riskanten, Gameplay-Experimente erwarten. Auch für andere Rollenspieler könnte sich ein Abstecher abseits "Elder Scrolls" oder "Dragon Age" lohnen.

Der Kampf gegen die Titanen beginnt am 15. August. "Risen 3" erscheint für Xbox 360, PlayStation 3 sowie auf Steam und Steam-freie Retailversion für Windows. Eine Umsetzung für Xbox One oder PlayStation 4 ist aktuell nicht vorgesehen. (Georg Pichler, derStandard.at, 26.07.2014)

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