Wasser zu teuer und doch zu billig

23. Juli 2014, 15:48
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Der Wasserpreis stieg in den letzten 20 Jahren um 90 Prozent. Doch die Gemeinden verdienen sich damit keine goldene Nase

Die Preise für Trinkwasser in Österreich sind in den letzten 20 Jahren kräftig gestiegen. Mit einem Plus von rund 90 Prozent seit 1992 ist der Anstieg laut Statistik Austria um 37,6 Prozentpunkte höher als die allgemeine Inflationsrate. Die steigenden Kosten werden immer wieder als Argument für eine Liberalisierung der Wasserwirtschaft herangezogen. Für Konsumenten liegt der Verdacht nahe, dass sich die Gemeinden mit dem Wasser eine goldene Nase verdienen.

Tatsächlich stellt sich die Situation bei genauerer Betrachtung anders dar. Die Preissteigerungen sorgen in erster Linie dafür, dass die österreichischen Kommunen bei der Trinkwasserversorgung schwarze Zahlen schreiben. In der Vergangenheit hätten viele Wasserversorger oft nicht kostendeckend kalkuliert, so Ute Boccioli von der Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach. Auch vonseiten der Wiener Wasserwerke heißt es, die EU würde endlich Kostenwahrheit propagieren, da die niedrigen Wasserpreise der Vergangenheit nicht nachhaltig gewesen seien.

"Wir wissen aus der Praxis, dass sich die Gemeinden meist nicht trauen, zu hohe Gebühren einzunehmen", sagt Martin Ozimic, Geschäftsführer des Steirischen Gemeindebundes. Oft würden die Kommunen versuchen, Wasser indirekt für ihre Bürger querzusubventionieren, um für gute Stimmung zu sorgen, meint auch Alfred Gehart von der Abteilung der Gemeinden des Landes Niederösterreichs. Wien hat die Wasserpreise 2012 durch ein automatisches Valorisierungsgesetz das erste Mal seit 17 Jahren angehoben. Die Bundeshauptstadt machte aber schon davor ein gutes Geschäft mit der Wasserversorgung.

Man müsse Gemeinden motivieren, überhaupt kostendeckend zu arbeiten, heißt es von Seiten der Gemeindebünde. In der Steiermark etwa sei die Zusicherung von Förderungen im Trinkwasserbereich in den letzten Jahren oft an eine Erhöhung der Gebühren geknüpft, um sicherzugehen, dass die Kosten aus den Trinkwasser-Einnahmen gedeckt werden können, sagt Ozimic. Auch in Salzburg seien Förderungen oft an einen Mindestsatz geknüpft, sagt Heinz Hundsberger von der Gemeindeaufsicht Salzburg. So solle sichergestellt werden, dass Kosten auch langfristig gedeckt werden können.

Alte Leitungen

Der Investitionsstau der letzten Jahre gehöre dringend abgebaut, so Ute Boccioli. Wasserleitungen hätten eine durchschnittliche Lebenserwartung von 50 Jahren, in zehn Jahren wird ein Drittel der österreichischen Leitungen dieses Alter erreichen. Rücklagen für zukünftige Instandhaltungen würden viel zu selten gebildet.

Allerdings habe sich die Situation seit 1993 gebessert, sagt Wolfgang Wlattnig von der Fachabteilung für Gemeinden des Landes Steiermark. Durch eine Gesetzesnovelle dürfen Gemeinden seit diesem Zeitpunkt bis zu 100 Prozent auf Dienstleistungen aufschlagen. Diese Aufschläge und Rückstellungen seien jedoch zweckgebunden und dürften nur zu Instandhaltung und Betrieb der Versorgungsanlage verwendet werden, erklären aber den Preisanstieg. Davor hätten Gemeinden Reparaturen und Investitionen oft über Darlehen oder aus anderen Bereichen finanziert.

Keine klare Linie bei Buchhaltung

Ob und wie viel die Gemeinden mit der Trinkwasserversorgung verdienen, lässt sich kaum berechnen. Die Qualität der Genauigkeit der kommunalen Buchhaltung reiche bei kleinen Gemeinden oft gar nicht aus, um die Überschüsse den einzelnen Posten zuzuordnen, so Alfred Gehart. Häufig würden die Gemeinkosten nur mit unzureichenden Schlüsseln aufgeteilt. Personalkosten für Gemeindearbeiter etwa würden zwischen den einzelnen Posten hin und her gebucht und auch Verwaltungsgemeinkosten nicht genau aufgeschlüsselt.

Auch der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler spricht von Berechnungsschwierigkeiten, da Wasser und Abwassergebühren oft gemeinsam eingenommen würden. Hinzu kommt noch, dass sich Gemeinden oft in Wasserverbänden organisieren und sich die Trinkwasserversorgung so aufteilen. Aus diesem Grund tauchen rund 600 Gemeinden in den Berechnungen der Statistik Austria gar nicht auf. (Sonja Spitzer, derStandard.at, 23.7.2014)

Wissen: Wasserpreise in Österreich

Die Bandbreite der Wasserpreise in Österreich ist groß. Zwischen einen und zwei Euro zahlt man für 1.000 Liter. Lebt man in einer Gegend, wo Wasser aufbereitet oder hochgepumpt werden muss, ist es dementsprechend teurer. Auch im Berg- und Hügelland ist die Trinkwasserversorgung aufwendiger. In größeren Städten wie Wien hingegen sind durch die dichte Besiedelung die Kosten für den Leitungsbau und die Sanierung höher, auch das hat Einfluss auf den Preis. Im Durchschnitt macht Wasser 0,2 Prozent der Gesamtausgaben in einem Haushalt aus.

  • Die Trinkwasserpreise sind in den letzten 20 Jahren stark angestiegen.
    preise

    Die Trinkwasserpreise sind in den letzten 20 Jahren stark angestiegen.

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