Bill Clinton: Ländliche Regionen schlecht versorgt

23. Juli 2014, 13:37
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Zweite Priorität sollte Betreuung HIV-positiver Mütter bis Ende der Stillperiode sein - Klage über schrumpfende Finanzmittel

Ex-US-Präsident Bill Clinton ist seit Jahren im Kampf gegen Aids engagiert. Ähnlich wie im Jahr 2010 in Wien sprach er am Mittwoch bei der Internationalen Aids-Konferenz in Melbourne die aktuell brennendsten Probleme an: Die Versorgung Betroffener in entlegenen Regionen, die Betreuung von HIV-positiven Müttern bis Ende der Stillperiode und schrumpfende Finanzmittel.

Clinton betonte, dass nur ein möglichst effizienter Einsatz der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zum Erfolg führen könnten: "Die Entwicklung super-effizienter Betreuungssysteme wird uns helfen, die sogenannten 90/90/90-Ziele zu erreichen."

Epidemie zum Stillstand bringen

Das UNAIDS-Programm peilt für das Jahr 2020 folgende Ziele an: 90 Prozent der HIV-Infektionen weltweit sind diagnostiziert, 90 Prozent der HIV-Positiven erhalten eine antiretrovirale Therapie und 90 Prozent der Behandelten weisen so geringe Viruswerte im Blut auf, dass diese per Laboruntersuchung nicht mehr detektierbar sind.

Gemäß mittlerweile mehrfach bestätigten wissenschaftlichen Erkenntnissen würde das die Übertragung der HI-Viren drastisch senken und so die Aids-Epidemie zum Stillstand bringen. Derzeit leben je nach Schätzung weltweit 29 bis 35 Millionen Menschen mit HIV/Aids.

Logistisches Problem

Vor allem in den Ländern der Dritten und Vierten Welt gibt es nach wie vor ein riesiges logistisches Problem. Der Ex-US-Präsident: "Wie können wir in ländlichen und entlegenen Regionen die Wege der Menschen zu den Kliniken und ihre Wartezeiten verkürzen und ihre finanziellen Ausgaben reduzieren." Ein weiteres Problem sei auch die Betreuung von HIV-positiven Müttern. "Fast 50 Prozent der pädiatrischen HIV-Infektionen ereignen sich während der Stillperiode. Wenn wir also die Mütter bis zu deren Ende in Betreuung halten, dann ist das die wichtigste Maßnahme, um eine Generation ohne Aids zu erreichen."

"Aids-freie Generation am Horizont"

Clinton warnte vor einer nachlassenden Finanzierungsbereitschaft reicher Länder im Kampf gegen Aids. "Wir haben die Werkzeuge, um Patienten zu behandeln, wir haben die Werkzeuge, um die Übertragung zu stoppen - wir können eine Aids-freie Generation fast am Horizont sehen."

Die besonders betroffenen Länder hätten ihre eigenen Anstrengungen deutlich erhöht, "aber das Geld aus den Geberländern geht zurück". Aktivisten störten seine Rede mit Zwischenrufen und verlangten Unterstützung für ihre Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer zur Finanzierung des Kampfes gegen HIV und Aids. (APA, derStandard.at, 23.7.2014)

  • "Wir können eine Aids-freie Generation fast am Horizont sehen."
    foto: apa/epa/joe castro

    "Wir können eine Aids-freie Generation fast am Horizont sehen."

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