In Ambulanz nur in Notfällen oder mit Zuweisung 

23. Juli 2014, 12:38
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Die Kammer hat ihr Modell zur Reform der medizinischen Versorgung in Österreich vorstellt

Wien - Ein Modell für eine neue Struktur der medizinischen Versorgung in Österreich hat die Ärztekammer am Mittwoch präsentiert. Die Patienten sollen nur noch mit Zuweisung oder in Notfällen in die Ambulanzen kommen können. Das Leistungsangebot soll in Regionen eingeteilt mit jeweils einem Leitkrankenhaus an der Spitze organisiert werden.

Die Spitalsambulanzen sollten nicht mehr Anlaufstelle für alle Patienten sein, sondern ein "Expertenzentrum" für Spezial- und Notfälle, argumentierte der Obmann der angestellten Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer, Harald Mayer, in einer Pressekonferenz. Deshalb sollten die Patienten nur noch mit Zuweisung von niedergelassenen Ärzten oder in Notfällen in die Ambulanzen kommen können.

Hierarchie mit Leitkrankenhaus an der Spitze

Das medizinische Angebot soll dem Modell zufolge in den Regionen neu strukturiert werden. An der Spitze soll ein Leitkrankenhaus mit 24-Stunden-Vollbesetzung stehen. In diesem sollen schwere Erkrankungen und intensivmedizinische Fälle behandelt werden. Grundsätzlich sollte es in jeder Region auch nur jeweils eine Fachabteilung geben, etwa für innere Medizin oder Chirurgie.

Unter dem Leitspital sieht das Konzept Regionalkrankenhäuser mit 24-Stunden-Teilbesetzung und Rufbereitschaft vor, an denen weniger schwere Fälle behandelt werden könnten. Darunter soll es stationäre Betteneinheiten mit ambulanter fachärztlicher Betreuung geben, wohin Patienten etwa nach einer Operation verlegt werden könnten. Schließlich enthält das Modell auch ärztliche Gruppenpraxen und Ordinationszentren mit fixen Öffnungszeiten und 24-Stunden-Rufbereitschaft sowie Einzelordinationen.

Ärzte sollen für Regionen zuständig sein

Noch nicht geklärt hat die Ärztekammer, wie viele Regionen es geben und wie groß diese sein sollen. Es könnten aber weniger als die derzeit im Strukturplan Gesundheit (ÖSG) vorgesehenen 32 sein. Klar ist für Mayer jedenfalls, dass die Regionen nicht an Bundesländergrenzen enden sollen.

Mit Ausnahme der Einzelordinationen sollen alle Einheiten in diesem Konzept aus einem Pool an Ärzten gespeist werden, der für die gesamte Region zuständig ist. Zusammensetzen soll sich dieser Pool sowohl aus niedergelassenen als auch aus Spitalsärzten. Diese könnten jeweils nach Bedarf in den unterschiedlichen Einrichtungen der Region eingesetzt werden. Die Folge wäre, dass sie auch pendeln müssten.

Nur noch ein ärztlicher Leiter pro Region

Statt der derzeitigen kollegialen Führung mit einem ärztlichen Direktor, einem Verwaltungsdirektor und der Leitung des Pflegediensts soll es künftig für jede Region nur einen ärztlichen Leiter mit Gesamtverantwortung geben. Darunter sieht das Konzept verschiedene Expertenteams vor. Für die Ärzte könnten in dem Modell verschiedene Arbeitszeitmodelle geschaffen werden, zwischen denen sie frei wählen könnten. Damit könnten auch Frauen Karriere und Beruf besser vereinbaren, heißt es, zusätzlich sollen Kinderbetreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten geschaffen werden. Auch das Problem der langen Dienstzeiten von Spitalsärzten beziehungsweise die Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie könnte damit gelöst werden.

Ob mit diesem Modell künftig weniger Spitäler nötig sein würden, wollte Mayer nicht einschätzen. Klar ist für ihn aber, dass man bei einer vernünftigen Organisation mit weniger Ärzten auskommen könnte. In Österreich sind derzeit rund 42.000 Ärzte tätig, in der vergleichbaren Schweiz hingegen nur 32.000. Lösen könnte man nach Ansicht des Spitalsärzte-Obmanns mit dem Konzept jedenfalls Probleme wie die überlaufenen Ambulanzen, den drohenden Ärztemangel, das Arbeitszeitproblem der Ärzte und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem für Frauen. (APA, 23.7.2014)

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