Bangladesch: Erste Urteile in Skandal um gepanschten Fiebersaft

23. Juli 2014, 08:49
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Hunderte Kinder starben in 1990er-Jahren an Nierenversagen

Dhaka - Rund zwei Jahrzehnte nach dem Tod hunderter Kinder nach Einnahme eines gepanschten Fiebersafts hat ein Gericht in Bangladesch erste Urteile gesprochen. Wie die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Dhaka am Dienstag mitteilte, wurden der Besitzer, ein Manager und ein flüchtiger Vorarbeiter des örtlichen Pharmaunternehmens Adflame Pharmaceutical Limited zur Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Paracetamol-Saft mit der hochgiftigen Chemikalie Diethylenglycol gepanscht worden war, die bei den Kindern zu Nierenversagen führte. Diethylenglycol wird normalerweise in der Textil- und Lederindustrie eingesetzt. In dem Fiebersaft wurde es als Lösungsmittel verwendet, weil es weitaus billiger war als üblicherweise in der Medikamentenproduktion genutzte Chemikalien.

Todesfälle möglicherweise seit 1982

Der Skandal kam im Jahr 1992 ans Licht. Die Regierung verschärfte daraufhin die Vorschriften für die Medikamentenherstellung. Dennoch starben im Jahr 2009 dutzende weitere Kinder an gepanschtem Paracetamol-Saft.

Nach Angaben des Nierenfacharzts Mohammed Hanif waren die ersten Todesfälle bereits zum Jahresende 1982 aufgetreten, doch brachte sie damals niemand mit dem Fiebersaft in Verbindung. Er gehe davon aus, dass tausende Kinder deswegen sterben mussten, sagte Hanif.

In der Affäre hat die Staatsanwaltschaft insgesamt fünf Pharmahersteller im Visier. Die verschiedenen Prozesse wurden jedoch wegen Verfahrensfragen immer wieder aufgeschoben. (APA, 22.7.2014)

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