Cannabis-Anbau in Deutschland: Eine mutlose Entscheidung

Kommentar22. Juli 2014, 17:35
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Die Entscheidung erregt nur deshalb Aufsehen, weil sie die Hoffnungen der Befürworter weckt und die Ängste der Gegner bestärkt; nicht etwa, weil sie richtungsweisend für die Drogenpolitik wäre

Drei chronisch kranken Menschen in Deutschland erlaubte das Kölner Verwaltungsgericht am Dienstag, Marihuana zum Eigengebrauch zu Hause anzubauen. Das Urteil lässt die emotional geführte Debatte um die Legalisierung der Droge wieder aufflammen, rauscht aber eigentlich daran vorbei.

Denn es geht hier nicht um die Grundsatzfrage, ob die Kriminalisierung von Cannabis Sinn oder Unsinn ist. Es geht nicht um die umstrittene und möglicherweise gesundheitsschädliche Wirkung. Und es geht auch nicht um das Schutzinteresse der allgemeinen Bevölkerung, wie das deutsche Bundesgesundheitsministerium argumentierte. Nein, in diesem Urteil geht es um schwerkranke Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, nur eine Möglichkeit haben, diese zu lindern und sich das Cannabis aus der Apotheke nicht leisten können.

Die Entscheidung erregt nur deshalb Aufsehen, weil sie die Hoffnungen der Befürworter weckt und die Ängste der Gegner bestärkt; nicht etwa, weil sie richtungsweisend für die Drogenpolitik wäre. Für eine solche Konsequenz ist der Urteilsspruch zu mutlos. Die Richter hätten die Chance gehabt, einen tatsächlich richtungsweisenden Präzedenzfall zu schaffen. Die strikten Auflagen, mit welchen die Erlaubnis für den Eigenanbau für die Betroffenen einhergeht, zeugen aber davon, dass sie vor einem politischen Statement zurückgeschreckt sind. (Christa Minkin, DER STANDARD, 23.7.2014)

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