Erdogan und Gaza: Auf Stimmenfang mit Israel

Kommentar22. Juli 2014, 17:26
26 Postings

Die Empörung über die Bombardierung der Palästinenser durch die israelische Armee ist jetzt nationale türkische Sache

Drei Tage Staatstrauer hat der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan seinem Land wegen der Hunderten von Toten im Gazastreifen verordnet. Die Empörung über die Bombardierung der Palästinenser durch die israelische Armee ist jetzt nationale türkische Sache, jedes Opfer im Gazastreifen ein türkisches Opfer. Die türkischen Parteien wetteifern mit Boykottaufrufen gegen Israel, Erdogan aber bleibt sich treu.

In dem Maß, wie er der extremistischen Hamas um den Hals fällt, werden seine verbalen Ausfälle gegen Israel nun grotesker und demagogischer. Die Nato-Partner der Türkei drängen auf eine sofortige Waffenruhe in Nahost, Erdogan aber macht Stimmung gegen Israelis. "Ihr Barbarentum ist noch größer als das Hitlers", erklärt er den Türken und der Welt, oder: "Der Staat, der am besten weiß, wie man Kinder umbringt, ist Israel." Das waren die Worte, die er schon 2006 auf dem Podium in Davos dem israelischen Premier Shimon Peres ins Gesicht geschleudert hatte - beim damaligen Bombenkrieg gegen die Gaza-Bevölkerung.

Erdogan nimmt alles persönlich, auch eine Militäroffensive außerhalb der türkischen Grenzen. Seine Parteinahme mag die Hamas bestärken, keine Waffenruhe zu suchen. Entscheidender sind für den türkischen Premier andere Dinge: die Stimmen für seine Wahl zum Präsidenten in knapp einem Monat. Das scheint ihm allemal wert, antisemitische Stimmungen in der Bevölkerung zu schüren. (Markus Bernath, DER STANDARD, 23.7.2014)

Share if you care.