Obama und Erdogan reden nicht mehr miteinander

22. Juli 2014, 17:00
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Istanbul - Zwischen US-Präsident Barack Obama und dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gibt es ein tiefes politisches Zerwürfnis. Seit einem Telefonat im Februar telefoniere er nicht mehr Obama, sagte Erdogan am späten Montagabend dem Fernsehsender ATV. Die Meinungsverschiedenheiten drehen sich unter anderem um den Bürgerkrieg in Syrien und Israels Militäroffensive im Gazastreifen.

Früher habe er Obama häufiger direkt angerufen, sagte Erdogan. Da dies im Umgang mit der Syrien-Krise nicht die "gewünschten Ergebnisse" gebracht habe, sprächen nun "unsere Außenminister" miteinander.

Erdogan ist enttäuscht darüber, dass die USA die Unterstützung der syrischen Regierungsgegner gedrosselt haben, seit diese sich radikalisiert haben. In seinem Fernseh-Interview vom Montag beklagte Erdogan einen Mangel an "Gerechtigkeit" seitens der USA. Nach dem Telefonat vom 20. Februar hatte das Weiße Haus in Washington erklärt, Erdogan habe den Inhalt falsch widergegeben.

Im Nahost-Konflikt präsentiert Erdogan sich als leidenschaftlicher Verfechter der Rechte der Palästinenser. Angesichts der israelischen Offensive im Gazastreifen sagte Erdogan in der vergangenen Woche, die Angriffe seien der "Versuch eines systematischen Genozids" an den Palästinensern. Der türkische Ministerpräsident warf Israel "Staatsterrorismus" vor.

Das US-Außenministerium nannte Erdogans Äußerungen "verletzend und falsch", Erdogan antwortete, der US-Regierung fehle es an "Selbstkritik". Am 10. August werden in der Türkei Präsidentschaftswahlen abgehalten, bei denen Erdogan vom Amt des Regierungschefs in das Amt des Staatschefs wechseln will. Laut Meinungsumfragen stehen seine Chancen auf einen Wahlsieg gut. (APA, 22.7.2014)

  • Obama und Erdogan auf einem Archivbild aus dem Jahr 2009

    Obama und Erdogan auf einem Archivbild aus dem Jahr 2009

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