Keine Manipulation am Stimmenrekorder 

23. Juli 2014, 12:25
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USA haben keine Beweise für russische Beteiligung an Abschuss

Kiew/Albany/Washington - Die Daten des Cockpit-Stimmenrekorders der im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine sind nach Angaben der niederländischen Ermittler unversehrt. Das Gerät sei zwar beschädigt, es weise aber keine Zeichen von Manipulation auf, erklärte das Niederländische Untersuchungsbüro für Sicherheit (OVV) am Mittwoch.

Der Stimmenrekorder wurde von der OVV zur Auswertung ins britische Farnborough weitergegeben. Laut OVV konnten die Daten aus dem Stimmenrekorder "erfolgreich heruntergeladen" werden. Sie müssten nun weiter "analysiert und untersucht" werden. Die Arbeit am Flugdatenrekorder, neben dem Cockpit-Stimmenrekorder die zweite sogenannte "Black Box", werde am Donnerstag beginnen.

Keine Beweise für russische Beteiligung

Der US-Geheimdienst hat laut Medienberichten bisher keine Beweise für eine direkte Beteiligung Russlands an dem mutmaßlichen Abschuss des Passagierflugzeugs in der Ostukraine. Dass die Rebellen die Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ SA-11 vom Himmel geholt hätten, gehe wahrscheinlich auf einen Fehler zurück, hieß es am Dienstag.

Es lasse sich bisher nicht sagen, wer genau für den Tod der 298 Menschen an Bord verantwortlich sei, hieß es nach Angaben des TV-Senders NBC und anderer US-Medien aus Geheimdienstkreisen. Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes kündigte auf CNN tiefergehende Untersuchungen an.

Die Daten des Cockpit-Stimmenrekorders der im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine sind nach Angaben der niederländischen Ermittler unversehrt. Das Gerät sei zwar beschädigt, es weise aber keine Zeichen von Manipulation auf, erklärte das Niederländische Untersuchungsbüro für Sicherheit (OVV) am Mittwoch.

Der Stimmenrekorder wurde von der OVV zur Auswertung ins britische Farnborough weitergegeben. Laut OVV konnten die Daten aus dem Stimmenrekorder "erfolgreich heruntergeladen" werden. Sie müssten nun weiter "analysiert und untersucht" werden. Die Arbeit am Flugdatenrekorder, neben dem Cockpit-Stimmenrekorder die zweite sogenannte "Black Box", werde am Donnerstag beginnen.

Spuren deuten auf Raketentreffer hin

Fotos von Wrackteilen des abgestürzten Passagierflugzeugs liefern nach Angaben der "New York Times" Indizien für einen Raketenbeschuss mit dem russischen Flugabwehrsystem Buk. Die US-Zeitung ließ Experten der auf die Verteidigungsbranche spezialisierten Beratungsfirma IHS Jane's von ihren Reportern an der Absturzstelle aufgenommene Bilder untersuchen.

Die darauf sichtbaren Schrapnellspuren würden klar auf einen Raketentreffer hindeuten, berichtete die "New York Times" am Dienstag. Die SA-11-Raketen des Buk-Systems verfügen den Angaben zufolge über einen Splitter-Gefechtskopf, der 30 bis 100 Meter vom Ziel entfernt detoniert.

Splitterspuren

Der Sprengkopf wirke "eher wie eine Schrotflinte als wie ein Gewehr", zitierte die Zeitung einen Sachverständigen. Dadurch sollen möglichst viele wichtige Teile eines Flugzeugs wie die Triebwerke und die Tragflächen getroffen werden.

Die Durchlöcherung der Wrackteile lasse darauf schließen, dass das Flugzeug von vielen kleinen Metallteilen getroffen worden sei, hieß es. Die Form der Löcher und den abgeplatzten Lack an der Außenwand werteten die Experten demnach als Indiz dafür, dass die Splitter nach innen in die Maschine eingedrungen seien.

Wrackteil an der Absturzstelle.

Das Linienflugzeug mit 298 Menschen an Bord war vergangenen Donnerstag in einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet der Unruheregion Donezk abgestürzt. Die ukrainische Regierung und zahlreiche westliche Staaten halten einen Abschuss des Flugzeugs durch die Separatisten für wahrscheinlich. Die prorussischen Kämpfer geben hingegen Kiew die Schuld.

DNA-Analyse in den Niederlanden

Alle 298 Opfer werden in den Niederlanden identifiziert. Verantwortlich dafür ist das nationale Team forensischer Ermittlungen der Polizei (LTFO). Die Opfer werden zu einer Kaserne in Hilversum unweit von Amsterdam gebracht. Dort werden die Experten sie nach Interpol-Regeln identifizieren. Herangezogen werden dabei Fingerabdrücke, Gebiss und DNA-Proben.

Kriminalbeamte hatten bereits bei den Angehörigen der 193 niederländischen Opfer DNA-Material abgenommen und - soweit möglich - auch Proben der Opfer selbst gesammelt. Außerdem wurden Haus- und Zahnärzte aufgefordert, relevante Patienteninformationen an die Ermittler weiterzugeben.

Für die DNA-Analyse ist das Niederländische Forensische Institut bei Den Haag zuständig. DNA-Proben der Leichen werden dort mit dem Material der Angehörigen verglichen. Das international renommierte Institut hatte bereits im Jahr 2010 DNA-Profile der Opfer des Flugzeugunglücks bei Tripolis in Libyen erstellt.

Damals waren beim Absturz eines Airbus 330 der Afriqiyah Airways 103 Menschen ums Leben gekommen, darunter 70 Niederländer. Deren Identifizierung hatte rund 30 Tage gedauert.

Flugschreiber wird in Großbritannien ausgewertet

Der Flugschreiber ist inzwischen von den malaysischen Experten an die niederländischen Ermittler übergeben worden. Die Blackbox, die den Flugdatenschreiber und den Stimmenrecorder enthält, ist anschließend zur Auswertung ins britische Farnborough gebracht worden.

Laut dem britischen Außenministerium werden Experten des Niederländischen Untersuchungsbüros für Sicherheit (OVV) und anderer Länder an den Ermittlungen beteiligt sein.

Funkverkehrdaten in ukrainischer Hand

Der Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen den Piloten der abgestürzten Passagiermaschine und ukrainischen Fluglotsen befindet sich weiter beim Geheimdienst SBU in Kiew. Es sei unklar, ob und wann die Aufzeichnungen internationalen Experten zur Analyse übergeben würden, sagte ein namentlich nicht genannter SBU-Mitarbeiter am Mittwoch Medien in Kiew zufolge.

Die Behörden hätten den Mitschnitt in Dnjepropetrowsk kurz nach dem Absturz am 17. Juli beschlagnahmt, hieß es. Ermittler erhoffen sich vom Funkverkehr unter anderem Aufklärung darüber, ob die malaysische Boeing 777-200 ihre Flugroute über dem Konfliktgebiet in der Ostukraine geändert haben könnte.

Abbott beklagt Vertuschung

Australiens Ministerpräsident Tony Abbott sieht Anzeichen für Vertuschungen nach dem Absturz. Es habe Manipulationen von Beweisen in einem riesigen Ausmaß gegeben. An Bord der Maschine befanden sich auch 28 Australier. Internationale Ermittler hatten in den vergangenen Tagen immer wieder über Behinderungen ihrer Arbeit geklagt.

Russland hat wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, dass Separatisten dahinter stünden. Die USA wiesen Russland eine direkte Verantwortung dafür zu, die Rebellen zur Kooperation mit den Ermittlern zu bewegen. (APA, 22.7.2014)

  • Malaysische Experten an der Absturzstelle.
    foto: epa/robert ghement

    Malaysische Experten an der Absturzstelle.

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