Manipulation des Flugdatenschreibers fast unmöglich

22. Juli 2014, 18:30
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Bundesheer-Kommandant Promberger: Manipulation der Datenreihe würde Gesamtbild zerstören

Als die prorussischen Separatisten in der Nacht zum Dienstag den Flugschreiber der über der Ostukraine abgeschossenen Boeing 777 (Flug MH17) an die malaysische Flugbehörde übergaben, wurden gleich Zweifel laut, dieser könnte manipuliert sein. Immerhin geschah das Unglück am Donnerstagabend – das macht rund vier Tage.

Vier Tage, in denen die Blackbox – zumindest theoretisch – geöffnet, ausgelesen, umprogrammiert, wieder geschlossen und zurückgegeben werden hätte können.

Oberst Gerfried Promberger vom österreichischen Bundesheer bremste am Dienstag im Gespräch mit dem STANDARD solche Spekulationen ein: "Zunächst muss geprüft werden, ob die Siegel, mit denen jede Blackbox verschlossen wird, manipuliert oder gebrochen wurden. Das ist relativ schnell und leicht nachweisbar."

Schlüssiges Gesamtbild

Dann hätten die Rebellen wohl nicht die Möglichkeit und Kompetenz, die tausenden Parameter, die von einem Flugschreiber in jeder Flugminute protokolliert werden, zu verändern, meinte der Kommandant beim Überwachungsgeschwader in Zeltweg. "Hier geht es um abertausende Zahlenreihen: Triebwerkseinstellungen und deren tatsächliche Funktion, Winkel der Leitwerke, Geschwindigkeit, Richtung, Flughöhenentwicklung und so weiter. Jede Manipulation dieser Zahlenreihen würde das Gesamtbild in seiner Schlüssigkeit zerstören."

Dazu kommt noch erschwerend, dass bei der Suche nach einer Absturzursache immer auch der jeweilige Flugzeugkonstrukteur eingebunden werden müsse, so Promberger. Nur die Hersteller – wie in diesem Fall Boeing – hätten das nötige Wissen und die technische Infrastruktur, um die Blackbox-Daten sinnerfassend auszulesen und zu interpretieren, so Promberger. Das geschehe stets offiziell und im Beisein der jeweils betroffenen Luftfahrtbehörde.

Eine Manipulation der Flugschreiberdaten scheint also eher ausgeschlossen zu sein. "Aber heutzutage weiß man nie, was technisch alles doch noch möglich ist", so Promberger. (Gianluca Wallisch, derStandard.at, 22.7.2014)

  • Oberst Gerfried Promberger, Kommandant beim Überwachungsgeschwader in Zeltweg
    foto: österreichisches bundesheer

    Oberst Gerfried Promberger, Kommandant beim Überwachungsgeschwader in Zeltweg

  • Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder wurden Vertretern der Fluglinie übergeben und dann an Bord eines belgischen Kampfjets nach London gebracht, wo die Daten ausgewertet werden
    foto: reuters/maxim zmeyev

    Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder
    wurden Vertretern der Fluglinie übergeben und dann an Bord eines belgischen Kampfjets nach London gebracht, wo die Daten ausgewertet werden

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