Paris ohne Preisabsprache: Pay what you want im Hotel

22. Juli 2014, 15:43
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Die Gäste von fünf Pariser Hotels können den Zimmerpreis nun selbst bestimmen.

Laut aktuellem Hotelpreis-Index des Online-Preisvergleichers Trivago wird dessen Suchmaschine unter 50 europäischen Städten am aller häufigsten für ein Zimmer in Paris genutzt. Kein Wunder, zählt die französische Hauptstadt doch immerhin zu den fünf teuersten in Europa. Zudem erscheinen die Zimmerpreise gemessen an der Qualität oft als recht beliebig gewählt. Im Juli 2014 kostet ein Pariser Standard-Doppelzimmer laut diesem Index durchschnittlich 176 Euro.

Bei Abreise "pay what you want"

Mit einer ungewöhnlichen Kampagne versuchen nun einige Hoteliers in Paris neue Gäste anzulocken: Die Aktion "Zahlen Sie so viel Sie wollen" läuft seit Montag in fünf Hotels in der Innenstadt. Gäste können für eine Nacht im Internet reservieren und bei ihrer Abreise selbst entscheiden, wie viel sie zahlen wollen. Die Kampagne läuft mitten in der Hochsaison und noch bis zum 10. August.

Hinter der Aktion steht der Chef des Hotels Tour d'Auvergne, Aldric Duval. Er sieht in ihr eine Art Initiative "für einen gerechten Preis und Vertrauen". Es gebe große Preisschwankungen für Übernachtungen in Paris. Es gehe also auch darum, herauszufinden, welcher Preis verlangt werden könne - auch angesichts der vielen Agenturen und Vermittler, bei denen Touristen oftmals mehr zahlen müssten als bei Direktbuchungen auf den Internet-Seiten der Hotels.

Viele positive Erfahrungen

Dass "pay what you want" auch in der Hotellerie immer mehr Anhänger findet, zeigen gleich mehrere aktuelle Beispiele: Das Parkhotel im oberösterreichischen Ottensheim ist bereits permanent auf dieses System ausgerichtet, Budget-Hotelketten wie IBIS setzen sie versuchsweise ein. Und Hoteliers wie Marcel Koburger, der dieses Bezahlmodell bereits 2013 im Münchner Angelo Hotel Munich Westpark ausprobiert hat, machten damit überwiegend positive Erfahrungen. Die durchschnittlich erzielten Erträge seien durchaus fair. Manche wechseln vom Versuchsstadium schließlich ganz in den regulären Betrieb auf Basis freiwilliger Bezahlung.

Auch die Pariser Kampagne könnte verlängert werden, falls nicht zu viele "Schummler" versuchen, eine Nacht kostenlos in Paris zu verbringen und am Ende gar nichts bezahlen. Vorsichtshalber haben die teilnehmenden Hotels schon jetzt die Anzahl der buchbaren Zimmer auf zwei oder drei pro Nacht begrenzt.

Kein Ausverkaufsmodell

Wegen mangelnder Qualität oder geringer Auslastung wird das System übrigens nur selten angewandt. Vor allem die fünf Pariser Häuser sind durchwegs moderne und gefragte Konzept-Hotels in guter Lage des 9. Bezirks. Würde man derzeit etwa im Vier-Sterne-Hotel Tour d'Auvergne eine Nacht regulär buchen, käme das deutlich teurer als der Durchschnittspreis im Juli für ein Doppelzimmer in Paris. (saum, APA/AFP, derStandard.at, 22.7.2014)

Das Pariser Modell im Internet

payezcequevousvoulez.net

  • Das Hotel Plaza Opéra befindet sich in unmittelbarer Nähe des Opernhauses und des Boulevard Haussmann.

    Das Hotel Plaza Opéra befindet sich in unmittelbarer Nähe des Opernhauses und des Boulevard Haussmann.

  • Das Hotel Tour d'Auvergne liegt in ähnlich guter Lage des 9. Arrondissements und gilt als Impulsgeber für die Pariser Kampagne "Payez ce que vous voulez".

    Das Hotel Tour d'Auvergne liegt in ähnlich guter Lage des 9. Arrondissements und gilt als Impulsgeber für die Pariser Kampagne "Payez ce que vous voulez".

  • Die Villa Bohème liegt zwar noch immer im noblen 9. Bezirk, aber schon etwas näher am Viertel Montmartre.

    Die Villa Bohème liegt zwar noch immer im noblen 9. Bezirk, aber schon etwas näher am Viertel Montmartre.

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