Studie: Aids ohne Hilfe für Prostituierte unbesiegbar

22. Juli 2014, 05:30
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Studien im "Lancet" publiziert - Weibliche Prostituierte haben 13,5-fach höheres Infektionsrisiko

Melbourne - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will bei der derzeit laufenden Internationalen Aids-Konferenz (20. bis 25. Juli) in Melbourne das "Anfang vom Ende" der Immunschwächekrankheit einläuten. Ohne eine radikale Verbesserung für Sex-ArbeiterInnen weltweit wird dies aber nicht möglich sein. Das beweisen neue Studien, die im Rahmen der Konferenz präsentiert und im "Lancet" publiziert werden.

Die britische Medizin-Fachzeitschrift veröffentlicht insgesamt sechs Beiträge zu HIV/Aids anlässlich der Konferenz. Ein Kernpunkt, so das Ergebnis einer der Studien: "Sex-Arbeiter sind überproportional von HIV bedroht. In Staaten mit niedrigem oder mittlerem Bruttoinlandsprodukt haben weibliche Prostituierte das 13,5-fache Infektionsrisiko im Vergleich zu Frauen in der Allgemeinbevölkerung." Während längst bewiesen sei, dass Präventions- und Behandlungsmaßnahmen inklusive Gratis-Zugang zu Kondomen und Zugang zu antiretroviraler Therapie nach einer Infektion auch bei dieser Personengruppe wirksam sind, werde das vielen der Betroffenen ganz oder teilweise verwehrt.

Verhinderung von sexueller Gewalt

Ein Beispiel dafür haben Kate Shannon (University of Vancouver) und ihre Koautoren in einer Übersichtsarbeit für weibliche Prostituierte berechnet. So würde die Verhinderung von sexueller Gewalt gegen diese Frauen durch einen sofortigen und anhaltenden Effekt auf den Nichtgebrauch von Kondomen in einem Land wie Kenia 17 Prozent der neuen HIV-Infektionen verhindern, in Kanada beispielsweise ein Fünftel.

Die Behandlung von HIV-positiven Prostituierten mit den modernen Aids-Medikamenten würde in Kenia innerhalb von zehn Jahren ebenfalls 34 Prozent der Neuinfektionen verhindern. Durch die Reduktion der Viruslast im Körper von Betroffenen sinkt auch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung bei sexuellen Kontakten.

Den größten Effekt aber - so die Autoren - hätte die Entkriminalisierung der Prostitution. Dadurch könnten 33 bis 46 Prozent der HIV-Infektionen verhütet werden. Weltweit leben derzeit knapp mehr als 35 Millionen Menschen mit HIV/Aids. (APA, 22.7.2014)

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