Was VW an Fiat reizt: Chrysler und Alfa

21. Juli 2014, 17:44
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Trotz rascher Dementi der Mitspieler gibt es Gründe, die für ein Zusammengehen sprechen würden

Schnell haben der Fiat-Chrysler-Konzern, Exor (die Holding der Unternehmerfamilie Agnelli) und Volkswagen die jüngsten Gerüchte über ein Zusammengehen von VW mit Fiat-Chrysler dementiert. Einzig Ferrari wäre laut den Gerüchten aus dem Fusionskarussell ausgenommen worden. Nicht ohne Grund. Denn die Familien Agnelli und Elkann, die 30 Prozent Anteile an Fiat halten, haben nie ein Hehl daraus gemacht, mittelfristig aus dem Autogeschäft aussteigen zu wollen. Zumindest aus dem Massengeschäft. Juwelen wie der Rennwagenbauer Ferrari sind Symbol für Luxus made in Italy, ein Segment, worauf sich die Agnellis gern stärker konzentrieren würden.

In Mailänder Finanzkreisen verstummen dennoch die Stimmen nicht, Unternehmensberater Roland Berger habe bereits eine Studie für ein entsprechendes Zusammengehen erstellt. Fiat-Experte Giuseppe Berta, Professor an der Mailänder Elite-Uni Bocconi, meinte denn auch zum STANDARD, er halte eine Fusion für plausibel.

Ähnlicher Ansicht ist auch Giorgio Squinzi, Präsident des Industriellenverbands Confindustria. Auf die Frage, was er von den Gerüchten über ein Zusammengehen VW-Fiat halte, sagte er nur: Solange es sich um eine Kapitaloperation handle und die Produktion in Italien bleibe, sei nichts dagegen einzuwenden. Fiat hat das Produktionsvolumen in Italien von einst mehr als einer Million Fahrzeuge auf inzwischen knapp 300.000 gedrosselt.

Volkswagen bemüht sich seit Jahren um den US-Markt - mehr oder weniger erfolglos. Fiat-Partner Chrysler erzielt hier 90 Prozent seines Absatzes. Der Geländewagen Jeep und die Pick-ups Dodge Ram laufen dort auf Hochtouren. VW-Patriarch Ferdinand Piëch buhlt seit einiger Zeit um Alfa Romeo - bisher umsonst.

Es geht also in erster Linie um Chrysler und Alfa, nicht um den defizitären Fiat-Konzern. Synergien zwischen beiden Autobauern gibt es genug. In Asien nimmt VW eine Spitzenposition ein, Fiat ist dort Nachzügler. Dafür sind die Turiner im Kleinwagengeschäft erfolgreich. Last, but not least sind die Familien Piëch und Agnelli befreundet. Die Frage heißt weniger, ob eine Fusion sinnvoll wäre, sondern wie viel sie kostet. VW verfügt über liquide Mittel von 18 Milliarden, die Fiat-Kapitalisierung macht zehn Milliarden Euro aus. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 22.7.2014)

  • Analysten sehen viele Gründe für einen VW-Fiat-Verbund.
    foto: epa

    Analysten sehen viele Gründe für einen VW-Fiat-Verbund.

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